Im Interview erzählt sie, worauf es bei einer gelungenen Nachfolge ankommt, warum man frühzeitig starten sollte und was andere von Fatima Wiesenburgs Geschichte lernen können. Als Chemikerin hat sie den Schritt gewagt, einen Elektrobetrieb zu übernehmen – und gezeigt: Für eine erfolgreiche Nachfolge braucht es nicht immer den klassischen Lebenslauf, sondern vor allem Mut, Lernbereitschaft und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen.
Wer sind Sie und was machen Sie bei ThEx Nachfolge?
Mein Name ist Jenny Behn und ich arbeite im ThEx Kammernetzwerk Unternehmensnachfolge bei der Handwerkskammer Erfurt. Ich begleite Übergeber und Übernehmer vom ersten Gedanken bis zur erfolgreichen Übergabe.
Ich bin sozusagen die Brücke zwischen zwei Lebensphasen, zwischen dem, was jemand loslässt, und dem, was jemand anderes mutig beginnt.
Warum entscheiden sich immer mehr Menschen für eine Unternehmensnachfolge statt für eine Neugründung?
Weil eine Übernahme oft der klügere Weg ist, auch wenn das auf den ersten Blick nicht so wirkt. Ein bestehender Betrieb bringt bereits Kunden, Strukturen, qualifizierte Mitarbeitende und einen Ruf mit. Das spart Jahre an Aufbauarbeit. Viele Menschen wollen unternehmerisch tätig sein, aber nicht bei null anfangen. Die Nachfolge bietet ihnen einen funktionierenden Betrieb, den sie dann mit ihren eigenen Ideen weiterentwickeln können.
Was hat Sie an Fatimas Geschichte von Anfang an überzeugt?
Fatima Wiesenburg ist Chemikerin und hat den Mut gehabt, einen Elektrobetrieb zu übernehmen. Sie hat den Weg über unseren Nachfolgeclub gemacht, sich das Wissen angeeignet, das sie brauchte und dann losgelegt. Sie hat nicht gewartet, bis alles perfekt war.
Welche Frage sollten sich Menschen unbedingt stellen, bevor sie ein Unternehmen übernehmen?
„Passe ich zu diesem Betrieb und passt dieser Betrieb zu mir?" Nicht nur finanziell, sondern auch menschlich, kulturell und inhaltlich. Eine Übernahme ist mehr als ein Kaufvertrag. Es geht darum, ob man sich vorstellen kann, die nächsten Jahre mit diesem Betrieb, diesen Kunden und diesen Mitarbeitenden zu gestalten.
Welchen Fehler beobachten Sie bei Unternehmensnachfolgen immer wieder?
Den Fehler, zu spät anzufangen. Sowohl auf Übergeber- als auch auf Übernehmerseite. Viele denken, Nachfolge sei ein einmaliges Ereignis – in Wirklichkeit ist es ein Prozess, der Zeit braucht. Wer zu kurzfristig plant, landet unter Druck in Entscheidungen, die wohlüberlegt sein müssten.
Was können andere von Fatimas Weg lernen?
Dass man nicht aus dem Handwerk kommen muss, um einen Handwerksbetrieb erfolgreich zu übernehmen. Fatima hat bewiesen, dass Antrieb, Lernbereitschaft und die Bereitschaft, Unterstützung anzunehmen, wichtiger sind als der Lebenslauf.
Welche Rolle spielt eine gute Begleitung bei einer Unternehmensnachfolge?
Eine enorme. Viele wissen gar nicht, wie viele Fragen auftauchen, wenn es konkret wird - rechtliche, finanzielle, menschliche. Eine gute Begleitung hilft dabei, diese Fragen zu ordnen, Prioritäten zu setzen und keine wichtigen Schritte zu überspringen. Und manchmal braucht man einfach jemanden, der sagt: „Das ist normal, das schaffst du."
Was würden Sie Menschen raten, die gerade überlegen, ein Unternehmen zu übernehmen?
Informiert euch früh, sprecht mit Menschen, die bereits eine Nachfolge vollzogen haben und nutzt die vorhandenen Beratungsangebote. Und vor allem: Traut euch, Fragen zu stellen. In unserer Beratung gibt es keine falschen Fragen. Nur Fragen, die man zu spät oder nie stellt.
Vielen Dank für das Gespräch!