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Vom Generationswechsel auf die Bühne des ThEx AWARDs

ThEx Management -

23. Juli 2026

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Ein Unternehmen im Rahmen einer Nachfolge zu übernehmen, ist bereits ein großer Schritt. Das Ganze dann aber mitten in einer Pandemie zu tun und die Verantwortung für über 20 Jahre Unternehmensgeschichte zu übernehmen erfordert nochmal eine ordentliche Portion Mut. Und wenn daraus am Ende eine echte Thüringer Erfolgsgeschichte entsteht, die sogar 2025 mit dem ThEx AWARD in der Kategorie NACHFOLGEN ausgezeichnet wird, dann lohnt es sich, genauer hinzuhören. Genau das machen wir in diesem Interview mit Thomas Hertwig, Geschäftsführer der Export-Pack Thüringen GmbH. Denn das ist seine Geschichte.

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Stellen Sie Ihr Unternehmen einmal kurz vor.

Ich bin Thomas Hertwig, Geschäftsführer der Export-Pack Thüringen GmbH. Ich habe das Unternehmen vor fünf Jahren in zweiter Generation von meiner Mutter übernommen. Und was machen wir eigentlich? Wir machen Verpackungen! Das heißt, wir kümmern uns um alles, was der Kunde braucht, um seine hochwertigen Waren bzw. Maschinen zu versenden. Dabei stellen wir nicht nur die benötigten Kisten her, sondern übernehmen auch die Verpackungsleistung. Außerdem kümmern wir uns auch um die Logistik drumherum, um ein Tür-zu-Tür-Geschäft zu realisieren: Vom Vorlauf über die See- und Luftfracht bis hin zum Nachlauf und der Tür des Kunden. Das alles machen wir mit Kooperationspartnern zusammen. Alles aus einer Hand – das ist unser Ziel.

Wie kam es zu der Übernahme? Stand es schon früh fest, dass Sie eines Tages den Generationswechsel antreten?

Tatsächlich nicht. Als Schüler und Student habe ich auf Baustellen oder bei Verpackungsaufträgen mitgearbeitet, aber dann habe ich mich erst einmal in eine ganz andere Richtung entwickelt. Nach meinem Elektrotechnik-Studium habe ich elf Jahre in einem Schweizer Unternehmen gearbeitet – zuletzt in der Entwicklung. 2019 kamen meine Eltern dann mit der Frage auf mich und meinen älteren Bruder zu: Was machen wir denn aus dem Unternehmen? Mein Bruder war sich sicher, dass er das Unternehmen nicht übernehmen wollte. Zu der Zeit lebte ich mit meiner Frau in NRW und da auch sie aus Thüringen kommt, haben wir uns entschieden, nach Hause zu kommen und die Challenge anzunehmen. Ich bin sehr stolz darauf, das Unternehmen in zweiter Generation übernommen zu haben und das weiterzuführen, was meine Mutter aufgebaut hat. Heute können wir 30 Jahre Export-Pack Thüringen GmbH feiern, was wirklich ein toller Meilenstein ist.

Mein Antrieb zur Übernahme war es, dass ich das Unternehmen weiterentwickeln und auf den Stand der Zukunft bringen wollte, sodass wir unseren Kunden in einer sich wandelnden Wirtschaft weiterhin einen professionellen Service bieten können.

Wie lief die Übernahme zwischen Ihnen und Ihrer Mutter ab?

Tatsächlich haben wir uns einen Steuerberater als neutrale Person und Begleiter an die Seite geholt. Aber natürlich war es ein herausfordernder Prozess für meine Mutter. Da kam ich aus einem großen Unternehmen, habe natürlich dann auch die Denkweise aus dem Konzern mitgebracht und sage: „Das ist schön, was du hier die letzten 20 Jahre gemacht hast, aber jetzt probieren wir auch mal neue Wege aus.“ Das Schöne war aber, dass sie mich grundsätzlich hat machen lassen. Sie war zwar täglich an meiner Seite und hat mich beraten, aber hat auch gesagt, dass ich meine eigenen Erfahrungen machen muss. Und natürlich habe ich auch nicht nur gute Erfahrungen gemacht. Aber immer wenn es drauf ankam, war sie da, um mich zu unterstützen. Ich glaube, ihr ist die Übergabe nicht sonderlich schwer gefallen, weil sie wusste, dass das Unternehmen in der Familie bleibt und sie Vertrauen in mich hat.

Zunächst hatten wir zweieinhalb Jahre beide die Geschäftsführung inne und dann hat sie sich Monat für Monat mehr zurückgezogen bis sie als Geschäftsführerin eigentlich nur noch im Innendienst tätig war. Und irgendwann kam der Moment, in dem sie sagte: „So, ab jetzt komme ich nur noch vorbei, um die Brötchen zu bringen.“

Wie haben Sie die Übernahme der Belegschaft kommuniziert und wie hat diese reagiert?

Wir haben gleich sehr offen dazu kommuniziert. Ein halbes Jahr vor meinem Eintritt wurden die Mitarbeitenden darüber informiert, dass das Unternehmen weitergeführt wird und es dementsprechend auch eine Zukunft für sie im Unternehmen gibt. Da ich zuvor schon als Schüler bzw. Student im Unternehmen gearbeitet habe, kannte mich bereits ein Großteil der Belegschaft. Zum Einen hat es den Generationswechsel leichter gemacht, weil man sich schon kannte. Zum Anderen war es aber auch herausfordernd, da ich mich in meiner neuen Rolle erst etablieren musste. Dann hieß es eben nicht mehr „Du, Thomas, fass mal mit an.“

Um diese Umgewöhnung so einfach wie möglich zu gestalten habe ich mit jedem Mitarbeiter ein Gespräch geführt. Grundsätzlich versuche ich die Belegschaft bei Veränderungsprozessen mitzunehmen – heute wie damals. Wenn ich etwas anders machen möchte, spreche ich mit ihnen darüber. Wir können die tollsten Maschinen in die schönsten Kisten packen, aber ohne meine Kollegen läuft nichts. Sie müssen ja schließlich die Aufträge der Kunden umsetzen und dabei bringen sie teilweise 25 Jahre Know-How aus dem Unternehmen mit.

Das ist ganz wichtig: Mit den Veränderungsprozessen möchte ich das, was in der Vergangenheit gut gelaufen ist nicht kaputt machen, sondern weiterentwickeln und auf das nächste Level heben.

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Thomas Hertwig Geschäftsführer Export-Pack GmbH

Können Sie uns ein Beispiel dafür nennen, was Sie im Unternehmen verändert haben?

Ich denke, dass ich vor allem versuche, die Denkweise zu ändern. Weg von „wir bauen einfach Kisten“ zu „Wie können wir optimaler verpacken?“ oder „Wie entwickeln wir die Verpackung der Zukunft?“ Dabei geht es auch ganz oft darum, Arbeitsprozesse effizienter zu gestalten.

Was war so das spannendste Projekt oder die verrückteste Verpackung, die Sie in Ihrem Unternehmen bisher umgesetzt haben?

Tatsächlich war das schon mein erstes Projekt. Dabei handelte es sich um ein Kunstwerk, welches wir verpackt und nach Doha geschickt haben. Heute steht es dort am Flughafen. Dafür haben wir eine 15 Meter lange Kiste mit Rucksack erstellt. Und das war tatsächlich mein erstes Projekt, das ich vom ersten Kundengespräch bis zur Fertigstellung beim Kunden vor Ort betreut habe.

Wie lange dauert es, bis so eine Sendung beim Kunden ankommt und wie genau läuft das ab?

Das ist je nach Komplexität ganz unterschiedlich. Mit unseren Verpackungen stehen wir im industriellen Prozess meist ja ganz hinten und werden dementsprechend auch oft vergessen. Wir haben viele Schnellläufer, die von heute auf morgen versendet werden. Bei so einem großen Projekt wie bei dem Kunstwerk kann es aber schonmal mehrere Wochen dauern. Beispielsweise haben wir in diesem Fall mit einem 3D-Druck gearbeitet, um zu ermitteln, wie wir es am besten verpacken können. Wir haben sogar Tests durchgeführt, um herauszufinden, wie die Oberfläche mit verschiedenen Materialien reagiert.

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Wie war es für Sie, der ThEx AWARD Jury Ihr Unternehmen vorzustellen?

Meine einleitenden Worte damals waren: „So ein Pitch ist schwieriger, als ein Unternehmen zu führen.“ Es ist schon ein ganz schönes Ding, wenn dich 15 Personen anschauen und du ihnen in wenigen Worten erklären sollst, was dein Unternehmen macht, warum es etwas Besonderes ist und du als Nachfolger ausgezeichnet werden sollst.

Für meinen Pitch habe ich mich dann weniger darauf konzentriert, mein Unternehmen im Detail vorzustellen, sondern vielmehr habe ich erklärt, wie ich überhaupt zur Nachfolge kam. Ich denke, dass oft neben dem Unternehmen selbst die eigene Story auch eine wichtige Rolle spielt. Darum habe ich versucht zu erklären, warum ich meine Festanstellung aufgegeben habe, um als Branchenfremder das Unternehmen meiner Mutter zu übernehmen.

Wie hat es sich angefühlt, auf der Bühne zu stehen und mit dem ThEx AWARD ausgezeichnet zu werden?

Da gibt es ein schönes Bild wo ich die Hände hochreiße. Für mich war das tatsächlich überraschend. Ich hätte nie gedacht, dass meine tägliche Leistung so wertgeschätzt und auch von Außenstehenden gesehen wird. Und das auch noch mit einem Produkt, was eigentlich niemand will, aber jeder braucht. Das macht mich schon stolz. Aber im Moment selbst war ich einfach super überrascht. Ich bin ohne große Erwartungen zur Prämierung gegangen, habe mich auf einen schönen Netzwerk-Abend gefreut und hätte nie gedacht, dass ich mit dem ThEx AWARD 2025 wieder nach Hause gehe.

Was würdest du denn jenen raten, die noch mit sich hadern und nicht so richtig wissen, ob sie sich beim ThEx AWARD bewerben sollen?

Einfach machen – ohne zu viel darüber nachzudenken. Stellt eure Motivation als Unternehmer dar. Erzählt, warum ihr tut, was ihr tut, warum ihr euch für eine Nachfolge entschieden habt, wir ihr euer Unternehmen weiterentwickeln möchtet und bleibt euch dabei immer selbst treu.

 

Vielen Dank für das Gespräch!

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