Kontakt

Sie haben eine Frage? Kontaktieren Sie uns gern, wir antworten so schnell wie möglich.
Felder die mit * markiert sind, sind Pflichtfelder.

Allgemein
Adresse
(geplantes) Gründungsdatum
Gründungsprämie
HWK relevant
Nachricht
Ich habe die Hinweise zum Datenschutz gelesen 

Prototyping, Resonanz und Aufbruch – die Module 4 und 5 unserer Innovationsreise

Vom Spüren ins Handeln

Am tiefsten Punkt des „U“ (Modul 3) war zunächst wenig zu sehen: keine fertige Lösung, kein belastbarer Fahrplan. Aber etwas hatte sich gezeigt – eine Ahnung davon, was entstehen könnte. In den Modulen 4 und 5 ging es darum, dieser Ahnung eine Form zu geben, sie der Wirklichkeit auszusetzen und aus der gemeinsamen Reise in den eigenen unternehmerischen Weg aufzubrechen.

„Zukunft wird nicht fertig gedacht. Sie wird sichtbar, sobald wir den Mut haben, ihr eine erste, vorläufige Form zu geben.“

Von der entstehenden Zukunft zum ersten Versuch

Die Theorie U von C. Otto Scharmer bildete das Framework unserer Innovationsreise. Sie beschreibt Veränderung nicht als geradlinigen Planungsprozess. Am Anfang steht vielmehr die Bereitschaft, genau hinzusehen, vertraute Deutungen vorübergehend loszulassen und sich für das zu öffnen, was werden will. Scharmer nennt diese Bewegung „Presencing“: Gegenwärtig sein und zugleich eine mögliche Zukunft erspüren.

Doch beim Erspüren darf es nicht bleiben. Auf der rechten Seite des U beginnt die Rückkehr ins Handeln: Eine verdichtete Intention wird konkret, erhält eine erste Gestalt und tritt in Beziehung zur Welt. Genau hier liegt die besondere Bedeutung des Prototypings. Ein Prototyp ist noch keine fertige Lösung. Er ist eine ernst gemeinte, aber bewusst vorläufige Antwort auf die Frage: Was geschieht, wenn wir unsere Idee jetzt schon ein Stück weit Wirklichkeit werden lassen?

Prototyping – lieber ausprobieren als perfektionieren

Mit den Händen Innreise

Im Modul 4 arbeiteten die Gründerinnen mit Methoden aus dem Design Thinking daran, ihre Vorhaben sichtbar, erlebbar und überprüfbar zu machen. Dabei ging es nicht um Hochglanz, Vollständigkeit oder die perfekte Marktreife. Es ging um einen ersten Versuch, der genug Substanz besitzt, um Reaktionen auszulösen – und zugleich offen genug bleibt, um verändert zu werden.

Gerade für Gründerinnen ist das eine anspruchsvolle Bewegung. Wer mit begrenzten Ressourcen startet, Verantwortung trägt und mit der eigenen Person für ein Angebot einsteht, möchte verständlicherweise möglichst wenig falsch machen. Dann wird aus Sorgfalt leicht ein zu langes Warten: Die Website ist noch nicht fertig, das Konzept noch nicht rund, der Preis noch nicht sicher. Prototyping setzt an dieser Stelle einen anderen Akzent: Nicht weniger sorgfältig arbeiten – aber früher lernen.

Das konnte zum Beispiel so aussehen: Aus der Idee für ein umfangreiches Beratungsprogramm entstand zunächst ein zweistündiger Pilotworkshop. Statt wochenlang an jedem Detail zu feilen, formulierte die Gründerin eine klare Kernfrage, entwickelte drei Übungen und lud eine kleine Testgruppe ein. Schon die ersten Rückmeldungen zeigten, was trug, wo die Sprache noch zu abstrakt war und an welcher Stelle die Teilnehmerinnen besonders aufmerksam wurden. Die Idee war danach nicht „fertig“. Aber sie war genauer, lebendiger und näher an den Menschen, für die sie gedacht war.

Die Prototypen der Frauen waren so unterschiedlich wie sie selbst und ihre Geschäftsmodelle: erste Angebotsbausteine, Workshopformate, Beratungsabläufe, Produkte, Dienstleistungen oder neue Formen der Kundenansprache. Entscheidend war nicht ihre Vollständigkeit, sondern dass sie greifbar wurden und Resonanz erzeugen konnten: besprechbar, erprobbar und verbesserbar.

Denken mit den Händen

Ein besonders eindrücklicher Moment im 4. Modul war die Arbeit mit der Methode „Thinking with Hands“. Mit Figuren, Symbolen und Materialien bauten die Teilnehmerinnen ihre aktuelle Situation, ihr Wirkungsfeld oder ihre entstehende Idee räumlich auf. Was zunächst spielerisch wirkte, führte oft überraschend schnell an den Kern.

Da stand vielleicht die Kundin weit entfernt vom eigenen Angebot. Ein Hindernis nahm im Modell plötzlich mehr Raum ein als das eigentliche Ziel. Oder eine Ressource, die im Gespräch kaum erwähnt worden war, bekam einen zentralen Platz. Im Austausch mit einer Coachin wurden Beziehungen sichtbar, für die vorher noch die Worte gefehlt hatten. Manchmal wussten die Hände tatsächlich früher als der Kopf, worum es ging.

Auch die „Vier-Perspektiven-Reflexion“ weitete den Blick. Die Gründerinnen betrachteten ihr Vorhaben nicht nur analytisch, sondern fragten ebenso nach Neugier, Gefühl, Mut und dem größeren Zukunftszusammenhang. Was löst die Idee in mir aus? Wo werde ich eng? Was würde ich versuchen, wenn ich nicht schon im ersten Schritt beweisen müsste, dass alles funktioniert? Und welchem sinnvollen Zukunftsbild dient mein Vorhaben? Solche Fragen machten nicht jede Entscheidung leichter. Aber sie machten viele Entscheidungen wahrhaftiger.

Feedback: kein Urteil, sondern Chance durch Resonanz

Innoreise

Anschließend wurden die Prototypen in der Gruppe vorgestellt. Das war für manche ein stolzer Moment, für andere zunächst ein verletzlicher. Denn sobald eine praktisch skizzierte Idee den geschützten eigenen Raum verlässt, kann sie gesehen und auch infrage gestellt werden.

Gerade deshalb war die Qualität des Feedbacks so wichtig. Es ging nicht um schnelle Bewertungen oder darum, wer die beste Idee hatte. Die Gruppe wurde zu einem Resonanzraum: Was spricht mich an? Wo werde ich neugierig? Was verstehe ich noch nicht? Welche Frage könnte die Idee weiterbringen? Wertschätzung und kritische Klarheit standen dabei nicht gegeneinander. Sie gehörten zusammen.

So entstand jene Form von Rückmeldung, die Entwicklung möglich macht. Die Gründerinnen konnten erkennen, wo ihre Vorhaben bereits Kraft hatten, wo sie noch unklar blieben und welche nächste Verprobung sinnvoll sein könnte. Aus Feedback wurde kein Urteil über die Person, sondern Material für den nächsten Schritt.

Modul 5: Ankommen – und neu aufbrechen

Mit dem Modul 5 erreichte die Innovationsreise ihren vorläufigen Hafen. Ein Hafen ist kein Ort, an dem Bewegung endet. Er ist ein Ort, an dem man festmacht, zurückblickt, Vorräte prüft und entscheidet, wohin die nächste Fahrt gehen soll.

Gemeinsam schauten die Teilnehmerinnen auf ihren Weg entlang des U: 

  • Welche Schritte bin ich gegangen? 
  • Welche Herausforderungen habe ich gemeistert? 
  • Welche Lösungen und Erkenntnisse sind entstanden? 
  • Was nehme ich mit in meinen unternehmerischen Alltag? 

Viele Teilnehmerinnen berichteten, dass sich nicht nur ihre Geschäftsidee verändert hatte. Vor allem hatte sich ihre Haltung verändert. 

Sie hatten gelernt, 

  • der eigenen Wahrnehmung stärker zu vertrauen, 
  • neue Methoden für Innovationsprozesse kennenzulernen, 
  • Unsicherheit als Teil von Entwicklung anzunehmen, 
  • und mutig erste Schritte zu gehen, statt auf den perfekten Zeitpunkt zu warten. 

Eine Teilnehmerin formulierte sinngemäß, sie gehe nicht mit der einen endgültigen Antwort nach Hause, wohl aber mit einem besseren inneren Kompass. Darin liegt vielleicht eine der wichtigsten Erfahrungen der Reise: Unternehmerische Handlungsfähigkeit entsteht nicht erst dann, wenn alle Zweifel verschwunden sind. Sie wächst, wenn Menschen lernen, trotz offener Fragen aufmerksam, verantwortlich und mutig zu handeln.

Gemeinschaft, die weiterwirkt

Ein besonderer Schatz aller Module war die Gemeinschaft. Ideen entstanden zwar aus individuellen Erfahrungen, aber sie entwickelten sich im Gegenüber weiter. Die Frauen hörten einander zu, stellten kluge Fragen, widersprachen, ermutigten und teilten Erfahrungen, die im unternehmerischen Alltag leicht unsichtbar bleiben.

Gerade in Phasen, in denen eine Idee noch fragil ist, braucht es solche Räume. Nicht jede Unsicherheit muss sofort beseitigt werden. Manchmal genügt zunächst die Erfahrung: Ich bin mit meinem Ringen nicht allein. Andere kennen die Spannung zwischen Anspruch und Wirklichkeit, zwischen Mut und Vorsicht, zwischen wirtschaftlicher Notwendigkeit und persönlicher Stimmigkeit.

Fazit

Abschluss Innoreise Maria G

Die Theorie U führt vom Beobachten und Öffnen über das Innehalten und Verdichten zurück ins konkrete Handeln. Sie schafft Bedingungen dafür, dass Menschen aus einer tieferen Aufmerksamkeit für Zukunft heraus handeln und entstehende Möglichkeiten gemeinsam erproben können.

Die Innovationsreise endet nicht mit dem letzten Modul. 

Sie beginnt dort erst richtig. 

Auf der Innovationsreise von ThEx FRAUENSACHE. (mit der Theorie U nach Otto Scharmer) haben die Gründerinnen einen Prozess kennengelernt, der weit über klassische Innovationsmethoden hinausgeht. Vom offenen Beobachten über das bewusste Innehalten bis hin zum mutigen Handeln konnten sie erleben, wie Zukunft entstehen kann – nicht als fertiger Plan, sondern als lebendiger Entwicklungsprozess. 

Die wichtigste Erkenntnis dieser Reise lässt sich vielleicht so zusammenfassen: 

Innovation bedeutet nicht, sofort die perfekte Lösung zu haben. Innovation beginnt dort, wo Menschen den Mut finden, ihrer Idee einen ersten Schritt in die Welt zu schenken. 

Wir wünschen allen Teilnehmerinnen Rückenwind für ihre weiteren Schritte und freuen uns darauf zu sehen, welche Innovationen aus dieser gemeinsamen Reise in Zukunft Wirklichkeit werden. 

Aufbruch Innoreise

Zum Weiterlesen

  • C. Otto Scharmer: Essentials der Theorie U. Grundprinzipien und Anwendungen. Heidelberg: Carl-Auer, 2019 (englische Originalausgabe 2018).
  • Presencing Institute: Theory U – Leading from the Emerging Future; Informationen zum Ansatz, zu Presencing sowie zu Crystallizing und Prototyping: www.presencing.org.

 

Quelle Fotos: ThEx FRAUENSACHE.

Externer Link

Sie verlassen unsere Website. Wir können nicht für den Inhalt externer Websites verantwortlich gemacht werden.

Bestätigen