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Mutmacherin Katharina Gille im Interview

ThEx FRAUNESACHE. -

27. September 2026

218 A5698

Katharina ist gelernte Bürokauffrau und kam dann über die Ausbildung zur Gestalterin für visuelles Marketing zu IKEA. Dort war sie im Bereich Interior Design tätig und entnahm im Laufe ihrer Entwicklung Führungsverantwortung. Wie aus ihrem beruflichen Weg schließlich die Idee für ihr eigenes Unternehmen entstand, erzählt sie hier.

Liebe Katarina, was genau verbirgt sich hinter Deinem Unternehmen “ORMAVI” und wie bist Du auf die Idee gekommen, einen „Kleiderbügel“ für Strumpfhosen zu entwickeln?

ORMAVI steht für eine einfache Idee: Strumpfhosen so aufzubewahren, dass sie ordentlich, sichtbar und schnell griffbereit sind.


Ich habe mich irgendwann gefragt: Warum gibt es für so viele Kleidungsstücke durchdachte Aufbewahrungslösungen, aber für Strumpfhosen eigentlich nicht? Daraus entstand meine Idee für eine Kugel, in der die Strumpfhose kompakt aufbewahrt wird und trotzdem gut sichtbar bleibt.


Ich beschreibe ORMAVI gern als eine Art „Der erste, weltweite Kleiderbügel für Strumpfhosen“, weil man dadurch sofort versteht, worum es geht.


Aus dieser einfachen Idee ist inzwischen eine echte Produktentwicklung mit Schutzrechten, Prototypen, Werkzeugbau, Marke und Onlineshop geworden.

Gab es einen Moment, in dem Du wusstest: „Ich mache das jetzt wirklich“?

Es gab nicht diesen einen großen Moment, sondern mehrere Schritte, durch die meine Idee immer realer wurde.


Ein ganz wichtiger Meilenstein war für mich die Zusage für die Thüringer Gründungsprämie. Sie gibt mir den finanziellen Freiraum, mich intensiv auf den Aufbau von ORMAVI zu konzentrieren. Gleichzeitig war die Zusage für mich auch eine besondere Bestätigung meiner Idee und meines Gründungsvorhabens.


Auf diesem Weg habe ich durch das ThEx außerdem viel Beratung und Unterstützung erfahren. Gerade in einer Phase, in der so viele neue Themen und Entscheidungen auf einen zukommen, war es sehr wertvoll, Ansprechpartner zu haben, Fragen stellen
zu können und immer wieder Orientierung zu bekommen.


Dann kamen die ersten Prototypen, die Anmeldung der Schutzrechte und die Gespräche mit Herstellern. Aus einer Idee wurde plötzlich etwas sehr Konkretes.


Nach 18 Jahren bei IKEA war der Schritt in die Selbstständigkeit natürlich groß. Aber irgendwann war für mich klar: Ich möchte herausfinden, was aus meiner Idee werden kann und ich mache das jetzt wirklich.

Was war auf Deinem Gründungsweg bisher die größte Herausforderung?

Am Laptop

Zu erkennen, wie viele Themen hinter einem scheinbar einfachen Produkt stecken. Konstruktion, Material, Spritzguss, Werkzeugbau, Schutzrechte, Finanzierung, Verpackung, Logistik, Marke und Vertrieb. In viele dieser Bereiche musste ich mich komplett neu einarbeiten. Die größte Herausforderung ist dabei oft, Entscheidungen treffen zu müssen, obwohl
man noch nicht alle Antworten kennt. Ich habe gelernt, Experten einzubeziehen, viele Fragen zu stellen und irgendwann trotzdem den Mut zu haben, den nächsten Schritt zu gehen.

Was unterscheidet die Gründung mit einem eigenen Produkt von einer Dienstleistungsgründung?

Bei einem physischen Produkt muss ich sehr viel investieren, bevor ich überhaupt das erste Produkt verkaufen kann.
Ich entwickle und teste Prototypen, beschäftige mich mit Materialien und Fertigung und investiere schließlich in Werkzeuge, Verpackung und Produktion. Gleichzeitig ist genau das für mich das Faszinierende daran: Irgendwann halte ich etwas in der Hand, das vorher nur eine Idee in meinem Kopf war.

An welchem Punkt hat Dir die Unterstützung des ThEx besonders geholfen?

Besonders wertvoll war die Unterstützung in der Phase, in der aus meiner Idee Schritt für Schritt ein Unternehmen wurde.
Das ThEx hat mich mit viel Beratung, einem breiten Seminarangebot und ganz konkreter Unterstützung begleitet. Besonders wichtig war für mich die Hilfe bei der Erstellung meines Businessplans inklusive Finanzplan. Beides war eine entscheidende Grundlage, um mein Vorhaben zu strukturieren und gut vorbereitet in die Gespräche mit der Bank zu gehen.

  
Mindestens genauso wertvoll finde ich den Austausch und das Netzwerk. Ich habe auf meinem Weg gelernt, dass Gründen nicht bedeutet, alles allein können zu müssen. Gute Ansprechpartner, hilfreiche Impulse und der Austausch mit anderen
Gründerinnen können unglaublich viel bewirken!

Am Anfang wollte ich viele Dinge möglichst vollständig verstehen und absichern. Heute weiß ich: Manche Antworten bekommt man erst, wenn man wirklich losgeht.

Katharina Gille

Was würdest Du heute anders machen, wenn Du noch einmal am Anfang Deiner Gründung stehen würdest?

Ich würde früher akzeptieren, dass nicht alles perfekt vorbereitet sein muss. Am Anfang wollte ich viele Dinge möglichst vollständig verstehen und absichern. Heute weiß ich: Manche Antworten bekommt man erst, wenn man wirklich losgeht. Ich würde außerdem noch früher mit anderen Menschen über meine Idee sprechen und gezielt Experten einbeziehen. Und ich würde mir selbst häufiger sagen: Ich muss nicht schon die nächsten zehn Schritte kennen. Es reicht, den nächsten richtigen Schritt zu gehen.

Wo können wir Dich in den nächsten vier Wochen antreffen?

Die kommenden Wochen sind bei ORMAVI besonders spannend. Der Werkzeugbau und die Vorbereitung der Produktion laufen, parallel entsteht mein Onlineshop und ich arbeite intensiv an Marke, Verpackung und Markteinführung. Mich findet man deshalb momentan wahrscheinlich irgendwo zwischen Produktentwicklung, Abstimmungen mit meinen Partnern, Musterteilen und ziemlich
vielen To-do-Listen. ORMAVI wird jetzt Schritt für Schritt sichtbar und genau darauf freue ich mich sehr.

Herzlichen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg auf Deinem Weg!

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