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LinkedIn im Berufsalltag: Von der digitalen Präsenz zum echten Netzwerk

Jana Karpf / Melanie Friedrichs -

14. Oktober 2026

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LinkedIn bietet viele Möglichkeiten, beruflich sichtbar zu werden, Wissen auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen. Doch mit der wachsenden Bedeutung der Plattform steigt auch der Wettbewerb um Aufmerksamkeit. Wie gelingt es, sich ein eigenes Netzwerk aufzubauen, ohne ständig Werbung für sich selbst zu machen oder sich für mehr Reichweite zu verbiegen?

Frank Panser aus Erfurt beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit genau diesen Fragen. Während der Corona-Zeit entdeckte er LinkedIn als Marketingkanal und begann, mit verschiedenen Möglichkeiten für mehr Sichtbarkeit zu experimentieren. Bekannt wurde er vor allem durch seine praktischen Tipps und Tricks zum Reichweitenaufbau. Inzwischen nutzt er sein Netzwerk auch, um auf Themen aufmerksam zu machen, die ihm persönlich wichtig sind, etwa sein Engagement bei den Baumpaten Deutschland.

Seine Erfahrungen zeigen, dass LinkedIn weit mehr sein kann als ein Werkzeug zur Selbstvermarktung. Entscheidend ist, wie man die Plattform für die eigenen beruflichen Interessen nutzt und aus digitaler Sichtbarkeit echte Kontakte entstehen lässt.

Authentische Sichtbarkeit beginnt mit der eigenen Positionierung

Wer LinkedIn nutzt, kommt an einem gewissen Maß an Selbstvermarktung kaum vorbei. Schließlich ist die Plattform ein berufliches Netzwerk und damit ein Ort, an dem Unternehmen, Selbstständige und Beschäftigte zeigen, wofür sie stehen und was sie können.

Auch Frank Panser sieht die Selbstdarstellung auf LinkedIn durchaus kritisch. Ein gewisses Maß an Selbstvermarktung gehöre zur Plattform dazu. Entscheidend sei jedoch, die eigene Präsenz an den persönlichen Interessen und beruflichen Zielen auszurichten. Sein Rat: „Betrachte LinkedIn als Werkzeug für deine eigene berufliche Entwicklung.“

Gerade Einzelunternehmen und Selbstständige stehen vor der Herausforderung, über ihre Leistungen zu sprechen, ohne dass jeder Beitrag wie Werbung wirkt. Ein guter Ausgangspunkt ist deshalb nicht das eigene Produkt, sondern der persönliche Antrieb:

  • Warum biete ich diese Leistung an?
  • Welches Problem möchte ich lösen?
  • Was begeistert mich an meinem Thema?
  • Was unterscheidet meine Perspektive von anderen?

Aus diesen Fragen kann eine glaubwürdige Positionierung entstehen. Hilfreich ist außerdem, das eigene Themenumfeld einzugrenzen. Eine einfache Frage kann dabei unterstützen: Wenn morgen eine Zeitung über meine Arbeit berichten würde – in welcher Rubrik würde der Artikel erscheinen?

Daraus lassen sich meist ein oder zwei zentrale Themenfelder ableiten. Wer beispielsweise im Recruiting arbeitet, muss nicht ausschließlich über die eigene Dienstleistung sprechen. Auch Fachkräftesicherung, Unternehmenskultur oder moderne Führung können relevante Themen sein.

Sichtbarkeit entsteht nicht nur durch eigene Beiträge

Eine häufige Fehlannahme lautet, dass man auf LinkedIn ständig posten muss, um wahrgenommen zu werden. Dabei findet ein großer Teil des Netzwerkens in den Kommentaren statt. Der Blick auf andere Menschen, die bereits im eigenen Themenumfeld aktiv sind, lohnt sich. Welche Themen diskutieren sie? Welche Fragen beschäftigen deren Netzwerk?

Frank Panser beschreibt genau das als seinen Einstieg in die Plattform. Er suchte den Austausch mit Menschen aus dem Marketing, beteiligte sich an Diskussionen und fand darüber erste berufliche Gemeinschaften. „Man kann auf LinkedIn bereits viel erreichen und sichtbar werden, ohne selbst einen einzigen Beitrag zu veröffentlichen.“

Aus Kommentaren können Kontakte entstehen, daraus Gespräche und möglicherweise später auch Kooperationen oder Geschäftsbeziehungen.

Gerade für Einsteigerinnen und Einsteiger kann deshalb ein kleiner Start sinnvoll sein:

  1. relevante Personen und Unternehmen finden,
  2. Beiträge aus dem eigenen Themenfeld lesen,
  3. eigene Erfahrungen in Kommentaren ergänzen,
  4. anschließend erste eigene Beiträge veröffentlichen.

So entsteht gleichzeitig ein Gefühl dafür, welche Themen funktionieren und welche Form der Kommunikation zur eigenen Persönlichkeit passt. Authentische Sichtbarkeit bedeutet schließlich nicht automatisch, besonders laut aufzutreten.

Mit relevanten Inhalten statt austauschbarem Content überzeugen

Wer schließlich selbst Inhalte veröffentlicht, sollte nicht nur auf Reichweite schauen. Denn nicht jeder LinkedIn-Beitrag bietet automatisch einen Mehrwert.

Inhalte, die ausschließlich auf schnelle Leadgenerierung ausgerichtet sind, können zwar Aufmerksamkeit erzeugen, wirken jedoch schnell austauschbar. Frank Panser schätzt dagegen Beiträge mit einer klaren fachlichen Haltung und konkreten Erfahrungen: „Mich interessieren Menschen, die eine klare Meinung zu ihrem Thema haben und ihr Wissen so weitergeben, dass andere direkt etwas damit anfangen können.“

Dabei muss nicht immer eine vollständige Strategie erklärt werden. Oft ist ein einzelner Tipp hilfreicher, der sich direkt ausprobieren lässt. Viele Menschen suchen auf LinkedIn schließlich nach Antworten auf ganz praktische Fragen:

  • Was hat funktioniert – und was nicht?
  • Was kann ich selbst ausprobieren?

Wer eigenes Wissen verständlich und konkret aufbereitet, muss dafür nicht ständig völlig neue Erkenntnisse produzieren. Häufig reicht es, Erfahrungen so weiterzugeben, dass andere damit arbeiten können.

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Auf den Einstieg kommt es an – auch mit Hilfe von KI

Neben dem Inhalt entscheidet auch die Aufbereitung darüber, ob ein Beitrag wahrgenommen wird. Besonders den ersten Zeilen sollte deshalb Aufmerksamkeit geschenkt werden. Sie entscheiden darüber, ob jemand innehält oder weiterscrollt.

Ein guter Einstieg sollte schnell vermitteln, worum es geht und für wen der Beitrag relevant ist. Gleichzeitig darf er neugierig machen, eine klare Meinung enthalten oder mit Humor arbeiten.

Auch Künstliche Intelligenz kann heute bei der Aufbereitung von Beiträgen unterstützen. Frank Panser nutzt selbst ein Tool, in das er seine Gedanken einspricht und das daraus einen Text erstellt, den er anschließend überarbeitet. Für ihn ist dabei weniger entscheidend, ob ein Beitrag vollständig selbst geschrieben oder mithilfe von KI erstellt wurde. Wichtiger ist, ob er bei den richtigen Menschen Resonanz erzeugt und wertvolle Diskussionen entstehen.

KI kann damit durchaus Teil des eigenen LinkedIn-Workflows sein. Die fachliche Perspektive, persönliche Erfahrung und eigene Haltung sollten jedoch weiterhin von den Personen selbst kommen. Denn auch ein gut formulierter Beitrag gewinnt erst durch seinen Inhalt an Glaubwürdigkeit.

Corporate Influencing: Sichtbarkeit lässt sich nicht verordnen

Was für Selbstständige und Einzelpersonen gilt, lässt sich auch auf Unternehmen übertragen. Viele setzen inzwischen auf Corporate-Influencer-Programme. Beschäftigte geben dabei auf ihren persönlichen Profilen Einblicke in ihre Arbeit, ihre Fachthemen oder das Unternehmen.

Das kann gut funktionieren – vorausgesetzt, die Beteiligten haben tatsächlich Lust darauf. Denn Sichtbarkeit lässt sich nur schwer verordnen. Schulungen, Zeitbudgets und strategische Unterstützung können helfen. Sie führen aber nicht automatisch dazu, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gerne öffentlich kommunizieren. „Unternehmen sollten sich auf die Mitarbeitenden konzentrieren, die wirklich Lust darauf haben, sichtbar zu werden, und ihnen dabei möglichst wenige Steine in den Weg legen“, rät Frank.

Dabei muss Corporate Influencing nicht zwangsläufig auf LinkedIn stattfinden. Auch Beschäftigte, die sich beispielsweise als Trainerinnen oder Trainer im örtlichen Sportverein engagieren, können ihr Unternehmen im persönlichen Umfeld repräsentieren.

Für Unternehmen bedeutet das: Nicht möglichst viele Beschäftigte müssen regelmäßig Beiträge veröffentlichen. Entscheidend ist vielmehr, vorhandenes Engagement zu erkennen und interessierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Zeit, Orientierung und Freiraum zu geben.

Wenn aus digitaler Sichtbarkeit echte Kontakte entstehen

LinkedIn kann nicht nur digitale Sichtbarkeit schaffen, sondern auch persönliche Begegnungen erleichtern. Denn wer über längere Zeit auf der Plattform aktiv ist, trifft bei Veranstaltungen zunehmend Menschen, die bereits bekannt wirken. Vielleicht hat man ihre Beiträge gelesen, miteinander kommentiert oder sich zumindest digital wahrgenommen.

Auch Frank Panser hat das Netzwerken durch LinkedIn neu für sich entdeckt. Während er sich früher auf Veranstaltungen eher zurückhielt, geht er heute mit dem Wissen dorthin, wahrscheinlich bereits bekannte LinkedIn-Gesichter zu treffen. Dafür braucht es keine riesige Reichweite. Gerade im regionalen Umfeld kann bereits ein überschaubares Netzwerk den Unterschied machen.

Online- und Offline-Netzwerken sind deshalb keine Gegensätze. Im besten Fall bereitet LinkedIn persönliche Begegnungen vor und macht den Einstieg ins Gespräch einfacher.

Genau hier setzt LinkedIn Local meets Thüringen an. Am 3. November 2026 kommt die Thüringer LinkedIn-Community im Kontor Erfurt zusammen – zum Austausch, Kennenlernen und Vernetzen abseits des Newsfeeds.

Inhaltlich knüpft das Event, welches von ThEx Wirtschaft 4.0 in Kooperation mit der Stadt Erfurt,  dem Landesverband Thüringen im Verband der Unternehmerinnen in Deutschland e.V. sowie dem ITnet e.V. organisiert wird, die Veranstaltung direkt an die Frage nach authentischer Sichtbarkeit an. Denn durch KI-generierte Inhalte und Deepfakes wird es zunehmend schwieriger einzuschätzen, was online tatsächlich echt ist. Deshalb geht es unter anderem um Vertrauen im digitalen Raum, Deepfake-Erkennung, digitale Identitäten und die Frage, was KI für Recruiting, Unternehmenskommunikation und die eigene Präsenz auf LinkedIn bedeutet.


Zum Podcast: Dieser Artikel basiert auf unserem Gespräch mit Frank Panser in der Podcastfolge „LinkedIn: Zwischen Reichweite und Authentizität“. Darin erzählt er ausführlicher von seinen Erfahrungen, seinen persönlichen Erfolgen und davon, wie aus digitaler Sichtbarkeit echte Kontakte entstehen.

Hier geht's zur Podcastfolge bei Spotify und Apple Podcasts. 

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