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Aus Leidenschaft selbstständig

ThEx Enterprise -

12. Mai 2026

Bruder Sven kocht

Sven Braun ist selbstständiger Caterer und tourt als „Bruder Sven Kocht“ mit seinem Imbisswagen durch den Unstrut-Hainich-Kreis. Im ThExCast haben wir mit ihm darüber gesprochen, wie Arbeit Spaß machen kann und gleichzeitig funktionieren muss – also über den Spagat zwischen Leidenschaft und Geld verdienen. Außerdem hat er von der ein oder anderen unternehmerischen Hürde erzählt und wie er sie gemeistert hat.

Wenn Sie Ihre Arbeit in drei Worten beschreiben müssten, welche wären das?

Freude am Kochen, das Arbeiten mit Menschen – und Freiheit. Die Menschen, die ich meine, sind sowohl die vielen neuen Gesichter, die ich täglich kennenlernen darf, als auch die Stammkunden, die regelmäßig bei uns essen. Und was die Freiheit angeht: Früher in der Firma bist du morgens um sieben reingekommen und hast erst um vier oder fünf Uhr nachmittags Feierabend gemacht. Das war Stress pur!

Gibt es einen Moment im Arbeitsalltag, auf den Sie sich immer ganz besonders freuen?

Wenn ich mit dem Kochen fertig bin und das Essen verteilen kann. Dann sehe ich die strahlenden Gesichter der Leute – und das ist einfach schön. Wir kochen nämlich wie bei Oma, das ist uns wichtig. Alles ohne Konservierungsstoffe und wenn es geht, sogar glutenfrei.

Gab es einen Moment, in dem Sie gemerkt haben: Das ist genau das, was ich machen möchte?

Das hat eigentlich schon früh angefangen. Wir waren damals im Bogensport aktiv, bei den Speed Bow Hunters. Dort habe ich begonnen, für die Leute vor Ort aus dem Töpfchen zu kochen – immer so dreißig Mann. So hat das angefangen. Irgendwann wurde es immer mehr, und ich habe mir eine kleine Feldküche mit dreimal 30 Litern gekauft. Dann hat mal jemand gesagt: „Kannst du nicht auch mal was anderes kochen außer Suppe?" Da habe ich mir nicht lange überlegt und mir eine große Feldküche angeschafft.

Damals noch im Nebenerwerb?

Ja, gestartet ist das Ganze in der Freizeit und dann ging es im Nebenerwerb weiter – das haben wir ungefähr acht Jahre so gemacht. Zum Haupterwerb wurde es dann, als die Firma, bei der ich beschäftigt war, geschlossen hat. Danach war ich drei Monate arbeitslos und auf Jobsuche. Aber es fand sich kein Arbeitgeber, der mich eingestellt hätte. Jedes Mal, wenn ich meine Bewerbungsmappe mit all meinen Qualifikationen abgegeben habe, hieß es: „Den können wir uns nicht leisten." Irgendwann habe ich mir dann gesagt: So kann ich nicht einfach rumsitzen. Also habe ich meiner Frau vorgeschlagen: Warum machen wir den Nebenerwerb nicht zum Haupterwerb?

Wie ist Ihnen dieser Wechsel vom Neben- in den Haupterwerb gelungen?

Ehrlich gesagt hätte ich das ohne die Unterstützung des ThEx nicht geschafft. Das Team aus Mühlhausen hat mir vor allem bei den bürokratischen Hürden enorm geholfen. Die Unterstützung dort war einfach klasse – und dadurch ist dann das Ganze ins Rollen gekommen.

Was gibt es neben Soljanka denn noch bei Ihnen zu essen?

Wir machen eigentlich alles: Erbsensuppe, Kartoffeln, Möhren, vegetarische Gerichte. Bei jedem Kochgang bieten wir immer ein Gericht mit und eines ohne Fleisch an. Und wir gehen auch auf die Wünsche der Leute ein – das besprechen wir vorher, bevor wir irgendwo hinkommen. In der Woche schreibe ich immer auf unsere Facebook- und Instagram-Seite, was es wann und wo gibt.

Wie kamen Sie zu Ihrem Namen?

Ich war mal in einer Camper-Clique, wo wir uns am Wochenende mit dem Wohnwagen irgendwo hingestellt haben. Da habe ich dann angefangen, im Töpfchen zu kochen – und irgendwann haben die anderen gesagt: „Der kocht ja wie mein Bruder Sven!" Und schon hatte ich den Spitznamen weg. Mittlerweile kommen auch Leute zum Essen, die fragen: „Bruder Sven, aus welcher Bruderschaft kommst du? Aus dem Kloster?" Aber das ist natürlich nicht der Fall.

Wann merken Sie im Alltag: Jetzt muss ich wirklich funktionieren, jetzt muss es wirtschaftlich tragfähig sein, sonst weiß ich nicht, wie ich am Monatsende meine Rechnung bezahlen soll.

Man muss einfach was tun. Wenn man nichts macht, verdient man auch kein Geld – das ist die einfache Wahrheit. Für alle, die das vielleicht noch nicht so auf dem Schirm haben: Selbstständig sein bedeutet, dass man auch beizeiten aufsteht und dass man die Vor- und Nachbereitung immer mit einplant. Wenn wir mit dem Kochen fertig sind, muss die ganze Feldküche wieder sauber gemacht und in den Originalzustand versetzt werden. Denn wenn Kontrollen kommen, schauen die in jede Ritze. Und die sagen dann meistens: „Mensch, so eine saubere Feldküche habe ich noch nie gesehen!" Wenn ich fertig bin, dann strahlt sie!

Gab es in der Anfangszeit auch Stolpersteine für Sie? Eine Herausforderung, die Sie überrascht hat? Oder wussten Sie von Anfang an, was auf Sie zukommt?

Ich wusste eigentlich, was auf mich zukommt. Was uns ein bisschen überrascht hat, war die ganze Bürokratie – die Abrechnung, die Buchführung und so weiter. Zum Beispiel kaufen wir Zutaten mit sieben Prozent Mehrwertsteuer ein, und wenn wir das Essen zum Mitnehmen verkaufen, bleibt es bei sieben Prozent. Stellen wir aber einen Stehtisch oder eine Sitzbank hin, müssen wir plötzlich mit 19 Prozent versteuern. Unser Steuerberater wird da manchmal fast wahnsinnig.

Was für Rückmeldung erhalten Sie von Ihren Kunden?

Die sagen, dass wir zuverlässig da sind, dass das Essen pünktlich fertig ist und dass es schmeckt – das sieht man auch in den Gesichtern. „Das war wieder richtig lecker!" – genau das hört man dann. Und das ist es, was mich jedes Mal wieder freut.

Gab es aber auch Tage, an denen Sie sich überlegt haben: Warum mache ich das eigentlich?

Ja, das war im Januar und Februar dieses Jahres. Wir kamen einfach nicht raus – überall Schnee, Glätte und Eis. Sogar die Feldküche war eingefroren, obwohl sie einen doppelwandigen Behälter mit minus 1,5 Bar hat. Da hätte das Wasser eigentlich gar nicht gefrieren dürfen – aber es war gefroren. Wir konnten einfach nichts machen.

Welche Eigenschaften braucht es denn, um langfristig selbstständig sein zu können?

Leidenschaft, Durchhaltevermögen und die Lust, immer weiterzumachen. Meine Frau sagt immer, ich bin so ein kleiner „Drängel-Arsch", weil ich vor dem Fernseher keine zehn Minuten ruhig sitzen kann. Ich muss immer was zu tun haben. Dann lasse ich mir gerne etwas Neues einfallen oder schaue, was die Leute im Netz so machen. In meiner Feldküche mache ich zum Beispiel auch Crêpes – und da gibt es ja fast jede Woche neue Rezepte. Wir haben uns jetzt auch noch eine Eismaschine zugelegt, damit man die Crêpes auch mit einem Schwung Softeis toppen kann.

Was raten Sie Gründerinnen oder Gründern, die in diesem Bereich in die Selbstständigkeit gehen möchten?

Am Anfang fällt es schwer, den eigenen Takt zu finden. Als Angestellter hat man einen anderen Rhythmus, als wenn man selbstständig ist. Selbstständig sein heißt: Man fängt früh an, zieht das durch bis nachmittags – und macht sich dabei den ganzen Tag schon wieder Gedanken, was man die nächsten drei, vier Tage angehen kann. Und dann schaut man natürlich auch: Was gibt es für Angebote, damit man das alles überhaupt durchführen kann? Die Preise sind ja ständig in Bewegung.

Vielen Dank für das Gespräch!

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