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Mutmacherin Steffi Selig im Interview

ThEx FRAUENSACHE. -

29. Juni 2026

20260326 132436 bearbeitet

Steffi Selig ist Unternehmerin und Gründerin von Jouvabelle®. Nach über 20 Jahren Berufserfahrung im Gesundheitswesen, in leitenden Positionen sowie an der Schnittstelle von Medizin, Innovation und Patientenversorgung entschied sie sich, eine eigene Produktidee zu verwirklichen. Mit Jouvabelle® entwickelt sie innovative Lösungen für Frauen, die Gesundheit, Prävention und Wohlbefinden miteinander verbinden. Ihr erstes Produkt, ein medizinisch entwickelter Anti-Falten-Schlaf-BH, entstand aus dem Anspruch, wissenschaftliche Erkenntnisse mit alltagstauglichem Design zu vereinen. Privat interessieren sie die Themen Frauengesundheit, Prävention und ein bewusster Lebensstil – Perspektiven, die auch ihre unternehmerische Arbeit und die Entwicklung von Jouvabelle® prägen.

Wie bist Du auf die Idee gekommen, Jouvabelle® zu entwickeln? Und welche Vorteile und Funktionen bietet Dein Anti-Falten-Schlaf-BH?

Wie so oft entstand die Idee aus dem eigenen Bedarf heraus. Irgendwann morgens vor dem Spiegel habe ich gemerkt, dass die Fächerfalten im Dekolleté einfach nicht mehr weggehen. Klebepads wollte ich nicht, Spritzen auch nicht. Herkömmliche Schlaf-BHs habe ich ausprobiert, aber sie haben weder funktioniert noch schön ausgesehen. Also habe ich nachts angefangen, aus zerschnittenen Sport-BHs und Bustiers einen ersten Prototyp zu nähen. Er war wirklich hässlich. Aber er hat sofort funktioniert.

Ich bin Seiten- und Wühlschläferin, daher sind bei mir die Falten kein reines Hautproblem. In der Seitenlage schieben sich die Schultern zusammen, das Brustgewebe folgt der Schwerkraft, und die Haut wird gestaucht. Passiert das jede Nacht über Jahre, hinterlässt das Spuren. Das ist Physik.

Jouvabelle® setzt genau hier an. Die gekreuzte Stoffführung verhindert das Zusammenschieben, ein weiches Zwischenbrustpolster trennt Haut von Haut, ein Frottee-Unterbrustpolster mit Silber-Bioaktivgarn sorgt für ein hygienisches Mikroklima unter der Brust. Kein Dessous, kein normaler BH. Ein Präzisionstextil, entwickelt mit medizinischem Hintergrund, und das merkt man.

Wie lang hattest Du die Idee im Kopf, bis Du gesagt hast – ich mach das jetzt! Und was hat es für Dich gebraucht, um dorthin zu kommen?

Die Idee hatte ich schon lange im Kopf, und meinen ersten hässlichen Prototyp habe ich jede Nacht getragen, noch während ich in Vollzeit angestellt war. Irgendwie war das mein stiller Beweis, dass es funktioniert.

Den entscheidenden Schub gab mir eine Folge "Die Höhle der Löwen". Da war eine Gründerin mit einem Unterwäscheprodukt. Ich habe meinen Mann angeschaut und gesagt: „Wenn das funktioniert, kann ich es doch auch versuchen.“ Ich hatte ein echtes Problem erkannt und selbst eine Lösung dafür entwickelt. Warum nicht?

Das war etwa ein Jahr vor meiner Gründung im Januar 2025. Von da an war die Frage nicht mehr ob, sondern wann.

Wie bist Du an die Entwicklung herangegangen? Hattest Du Mentor:innen oder Institutionen, die Dich unterstützt haben oder Vorbilder waren?

Nähmaschine 4 5

Aus meiner langjährigen Prozessmanagementerfahrung weiß ich, dass strukturiertes Vorgehen entscheidet. Das habe ich von Anfang an mitgenommen. Ich habe selbst meine Prototypen entwickelt, später mit zwei Schnittdirektricen ging es an die Schnitte. Parallel habe ich einen Patentanwalt mit der Schutzrechtsrecherche beauftragt und die Produktionssuche gestartet. Die Entwicklungsarbeit lag von Anfang an in meinen Händen.

Auf das ThEx bin ich online über die Seminarangebote gestoßen. Vor der Gründung hat mich ThEx Enterprise konkret unterstützt, beim Businessplan und bei Fördermitteln. Nach der Gründung wurde ThEx FRAUENSACHE. für mich wichtig. Die Seminare zu verschiedenen Gründungsthemen sind kostenlos und haben mir in einer Phase sehr geholfen, in der man als Einzelkämpferin vieles zum ersten Mal macht. Der Austausch mit anderen Gründerinnen kam dazu, und der ist durch nichts zu ersetzen.

Wenn ich mit Jouvabelle® Frauen helfen kann, die genau diese Problemfelder kennen, dann habe ich viel erreicht.

Steffi Selig

Auf Instagram berichtest Du, dass Dir viele Menschen gesagt haben, ein solches Produkt würde nicht funktionieren. Jetzt laufen die Maschinen für die erste Produktions-Serie. Wie bist Du mit dieser Schwarzseherei umgegangen?

Anfangs wurde die Idee belächelt. Ein BH gegen Dekolleté-Falten, der nachts getragen wird, das klang für viele einfach nicht realistisch. Dabei hatte ich meinen Beweis schon jeden Morgen vor dem Spiegel. Ich trug meinen Prototyp, überall Schlaffalten, nur das Dekolleté war glatt.

In der ersten Testphase schickte mir dann eine Probandin nach der ersten Nacht Vorher-Nachher-Bilder. In dem Moment schlug mein Herz höher, denn auch bei ihr funktionierte es. Was folgte, war konsequente Weiterentwicklung, von vier auf vierzehn Größen, weitere Schnittanpassungen, bis zur jetzt laufenden Produktionsserie. Was mich zusätzlich bestärkt hat, waren zwei Testerinnen, die nicht meiner eigentlichen Zielgruppe entsprachen. Eine ältere Dame und eine Frau mit intellektueller Beeinträchtigung, beide konnten keine normalen BHs tragen, hatten Bewegungseinschränkungen und hatten ein Haut auf Haut Problem unter der Brust. Bei Beiden wurde nach der Testphase zurückgemeldet, dass der BH als angenehm empfunden wurde, nichts gedrückt hat und sich die Hautprobleme unter der Brust deutlich verbessert haben.

Von Anfang an war es mein Ziel, ein Textil zu schaffen, das mehrere Probleme gleichzeitig löst. Diese Rückmeldungen haben mir gezeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Ich glaube, vielen Frauen geht es ähnlich wie mir oder meinen Probandinnen. Nur reden die wenigsten darüber. Wenn ich mit Jouvabelle® Frauen helfen kann, die genau diese Problemfelder kennen, dann habe ich viel erreicht.

Viele Gründer:innen starten mit einer Produktentwicklung oder Dienstleistung im Nebengewerbe. Welchen Weg hast Du für Dich gewählt? Und hast Du dabei Unterstützung erhalten?

Ich habe mich bewusst für den direkten Weg entschieden. Vollzeit, von Anfang an. Ich hätte auch weiter in einer Unternehmensberatung arbeiten oder mich als Beraterin selbstständig machen können. Aber das hätte mich nicht erfüllt. Ich hatte diese Vision und ich wusste, wenn ich es nicht versuche, mache ich es nie und werde es vielleicht bereuen. Am Ende habe ich auf meinen Bauch und mein Herz gehört und die Vernunft hinten an gestellt.

Für ein physisches Produkt in dieser Komplexität, mit Schutzrechten, Produktionssuche und allem was dazugehört, war Vollzeit rückblickend die einzig realistische Option. Wobei hier meine Zeitplanung schon sehr sportlich war und ich diese ständig anpassen musste.

Finanziell habe ich mich auf mehrere Standbeine gestützt. Eigenkapital, Gründungszuschuss und Existenzgründerpass. ThEx Enterprise hat mich beim Businessplan, Microdarlehen und bei der Fördermittelrecherche begleitet, das war in der frühen Phase sehr wertvoll.

Was ich trotzdem sagen muss, auch mit Unterstützung bleibt Gründen als Einzelkämpferin eine einsame Angelegenheit. Man macht alles selbst. Der echte Austausch mit anderen Gründerinnen und dem Team von ThEx FRAUENSACHE ist für mich eine neue Routine geworden und Gold wert.

Welchen Tipp gibst Du Frauen, die darüber nachdenken, ein Produkt zu entwickeln?

Wenn du wirklich von deiner Idee überzeugt bist, zieh es durch. Es gibt viele Hürden und viele Unbekannte. Aber um seinen Traum zu verwirklichen, erklimmt man diesen Berg jeden Tag ein bisschen weiter.

Was ich jedem empfehlen würde, bevor der erste Schritt gemacht wird: alles durchkalkulieren. Nicht um sich selbst zu bremsen, sondern um das reale Risiko in Zahlen zu sehen. Da kommt bei mir die Gesundheitsökonomin durch. Ich frage mich immer zuerst: „Was ist der Worst Case?“ Wenn ich den kenne und damit leben kann, gehe ich den Schritt.

Ob es bei mir wirklich funktioniert, werde ich bald sehen. Aber ich weiß, dass ich es bereut hätte, es nicht versucht zu haben.

Und was rätst Du generell Frauen, die gründen möchten?

Sucht euch ein Netzwerk, es ist erstaunlich wie viele es davon in Thüringen gibt. Gründen als Frau, erst recht als Einzelkämpferin, kann sehr einsam sein. Der Austausch mit anderen Frauen, die denselben Weg gehen, gibt einem etwas zurück, das kein Businessplan ersetzen kann. Perspektive, Ehrlichkeit und das Gefühl, nicht alleine zu sein.

Auch die Angst vor dem Scheitern gehört dazu. Man wird sie nicht loswerden. Ich kenne sie selbst gut. Aber ich habe gelernt und lerne immer noch, sie nicht zu ignorieren, sondern einzukalkulieren. Was ist der Worst Case? Kann ich damit leben? Wenn ja, dann geh. Ich neige auch dazu, so lange zu feilen bis alles perfekt ist. Ist es nie. Der richtige Moment ist der, indem du bereit bist, es einfach zu versuchen.

Und die wichtigste Frage: Ab wann ist Jouvabelle® in Deinem Onlineshop erhältlich?

Produktbild

Der Launch ist für Mitte Juli 2025 geplant. Es gibt auf meiner Webseite einen exklusiven Vorab-Zugang. Wer sich in die VIP-Warteliste einträgt, erhält vor allen anderen Informationen zum Verkaufsstart, da die ersten verfügbaren Stückzahlen limitiert sind!

Wer den Weg bis dahin mitverfolgen möchte, ist auf Instagram, Facebook und LinkedIn herzlich willkommen. Ich berichte dort über die Entstehungsgeschichte, die Produktfunktionen, die letzten Schritte vor dem Launch und alles, was dazugehört.

Herzlichen Dank für das Interview!

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