Nicklas Taja: Absolut! Man muss auch manchmal wirklich Gas geben können, wenn es um irgendwas geht, was wirklich spannend ist. Wir haben uns da mit dem Programm auseinandersetzt und der Philipp Zacher aus Jena, auch ein erfolgreicher Gründer aus Jena, hat uns dann auf die Idee gebracht, dass wir uns da auch bitte bewerben sollen.
Und dann haben wir das ausgearbeitet, haben uns getroffen und haben dann wirklich durchgehend daran gearbeitet, die Bewerbung fertig zu machen.
Und ja, kurze Zeit später kamen die Bestätigung, dass wir dabei sind und ja, alles was danach kam war wirklich Gold wert.
Melanie: Was sind so kurz knackig zusammengefasst die wichtigsten Inhalte, die euch in dieser Phase weitergebracht haben?
Nicklas Taja: Kurz zusammengefasst, also das Programm muss man sich erst mal so vorstellen, dass man Workshops hat über eine halbe Jahr, dreiviertel Jahr gingen die und diese dann geendet sind mit dem, den Thüringer Investor Days – letztes Jahr oben auf dem Petersberg.
Und man kann sich das so vorstellen, dass man sich alle zwei Wochen ungefähr trifft, vielleicht auch manchmal alle vier Wochen, um an einem Workshop in verschiedensten Bereichen teilzunehmen.
In der Schule bekommt man das sowieso in der Form nicht beigebracht, deswegen war es für uns Gold wert. Da ging’s vor allem um das Netzwerken, letztendlich aber auch darum, zu verstehen, was braucht man denn alles, um überhaupt ein Startup zu gründen?
Um Finanzierungsmethoden – wie kann man sich finanzieren -, die Investorenbeziehungen beispielsweise, wie baue ich ein Businessplan, was muss alles in den Finanzplan rein? Also verschiedenste Themen rund um die Themen Gründen und Firmenaufbau.
Das hat man da wirklich mit verschiedensten Partnern, auch manchmal externen Beratern letztendlich wunderbar auf die Beine gestellt und hat uns sehr gut geholfen, einen roten Faden in unser Riesenpotenzial reinzubringen.
Melanie: Und der erste Meilenstein – du hast es schon gesagt – war dann eben dieses auf der Bühne Stehen, das Pitchen bei den Investor Days. Mit welchem Ziel seid ihr denn ran gegangen? Ich denke mal, das war der erste große Pitch. Was für ein Ziel stand so dahinter für diesen Pitch?
René Fischer: Prinzipiell kann man sagen, dass bei diesem Pitch natürlich das große Ziel war, dem Publikum einfach zu zeigen, was es für spannende und neue Technologien auf dem Markt gibt. Es war natürlich super wertvoll, dass so viele spannende Menschen auch im Publikum vertreten waren. Egal ob aus Wirtschaft oder aus anderen Bereichen und man muss natürlich immer wieder sagen, dass genau diese Bühne gleichzeitig ein tolles Sprungbrett ist, um parallel dazu selber das Netzwerk weiter ausbauen zu können.
Natürlich, im Nachgang auch sämtliche Rückfragen beantworten zu können und einfach mit einem tollen Feedback aus der Sache rauszugehen.
Weil es ist für einen Jungunternehmer immer extrem wichtig, auch gutes Feedback zu bekommen und einen guten Support zu haben, sich ein starkes Netzwerk aufbauen zu müssen, weil alleine hat man natürlich immer eine gewisse Willenskraft, aber diese Kraft wird erst dann wirklich spürbar, wenn man halt mit dem Support und dem passenden Netzwerk zur Sache geht.
Und das war auf jeden Fall das Ziel bei den Investor Days Thüringen.
Melanie: Ich glaube es gibt genug innovative Unternehmen, die mit dem Gedanken spielen: „Ich möchte auf jeden Fall auch pitchen, weil mich das weiterbringen könnte.“ Was denkt ihr: Was ist eine gute Phase, um das erste Mal aus so einer Bühne zu stehen? Was sollte da schon klar sein? Ihr hattet jetzt ja glücklicherweise eben die TRIP Class vorweg zur Vorbereitung, aber an welchem Punkt, denkt ihr, sollte man stehen?
Nicklas Taja: Das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Wir hatten zehn bis zwölf verschiedene Startups an unterschiedlichsten Punkten in ihrem Verlauf und im Aufbau eines Startups und wir hatten alle den gleichen Ablauf letztendlich.
Die TRIP Class selbst hat an so vielen verschiedenen Punkten, an unterschiedlichen Zeitpunkten vor allem auch bei den verschiedensten Startups einwirken können.
Und bei uns war es einfach der Mehrwert, dass wir natürlich in dem Moment von einer kleinen Taschenlampe hin zu größeren Lösungen uns entwickeln möchten und die TRIP Class hat uns dabei eben geholfen, eine Struktur mit reinzubringen.
Die Pitches selbst waren natürlich perfekt zum Präsentieren, weil ein Pitch ist dafür da, dass ich in kürzester Zeit das Wichtigste über mein Business quasi erkläre und an Mann bringe.
Das ist natürlich bei so einem Potenzial mit so vielen Möglichkeiten und Optionen nicht immer so einfach und deswegen war es umso wichtiger, dass wir auch beispielsweise bei den Demo-Days uns mal ausprobieren konnten vor einem kleinen Fachpublikum.
Ja, ich sag mal der Pitch auf der Bühne vor vierhundert Leuten ungefähr, das war natürlich sensationell. Ich kann mich noch erinnern, da musste sich Atemübungen vorher machen, um mich zu beruhigen. Aber als wir dann auf der Bühne standen, haben wir es dann auf jeden Fall hinbekommen und danach hat es sich wirklich richtig, richtig gut angefühlt.
Melanie: Du sprichst jetzt schon die echten Übungen an. Ihr habt ja vorab ein Pitch-Training bekommen. Was waren für euch wichtige Takeaways? Offensichtlich Atemübungen, um die Aufregung niedrig zu halten. Was kann man noch empfehlen? Was nimmt man aus so einem Pitch-Training mit?
René Fischer: Was auf jeden Fall immer super wertvoll ist und was wir auch gemerkt haben ist, dass du nach dem roten Faden deinen Pitch aufbauen solltest. Es geht meistens los mit einem Problem, was gelöst werden muss, dann stellst du deine Lösung vor. Außerdem geht bei Pitches immer auch darum, wem du diesen Pitch vorstellst. Es kann ganz normales Publikum sein, es können Investoren sein, es kann eine Bank sein, es kann jemand sein der dich in deinem Netzwerk vielleicht auch weiter bringt.
Aber in dem Falle hat man halt immer für verschiedenste Pitchs auch verschiedenste Passagen vorbereitet, die man dann praktischer Weise mit integrieren kann.
Aber wichtig ist nach wie vor der rote Faden, die Zeit vor allem auch im Auge zu behalten und dass man sich nicht lange mit Themen auseinandersetzt, die der Zuhörer jetzt gar nicht so spannend findet wie einer selbst, sondern wo es halt wirklich um harte Fakten geht.
Melanie: Das heißt, es ist auch sinnvoll, diesen Pitch vorab natürlich tausendmal zu üben, aber sich dementsprechend auch Feedback einzuholen von Fachpublikum, aber wahrscheinlich auch von Menschen, die dem Thema vielleicht nicht ganz so nah stehen, oder?
René Fischer: Absolut! Also es ist super wertvoll, wenn du Feedback aus sämtlichen Reihen aufnimmst, weil natürlich ein Investor aus einem ganz anderen Blickwinkel hört und sieht als ein ganz normaler Privatverbraucher, der vielleicht unsere Technologie für seine eigenen Zwecke einsetzt.
Und genau das ist der Hintergrund, warum diese Trainings im Vorfeld auch gemeinsam mit der bm|t super wertvoll waren, weil genau dort sitzen die Menschen, die es interessiert, was wir auf der Bühne zu sagen haben und wenn man das alles gut verinnerlicht und am besten Fall auf seine Use Cases umsetzen kann, ist man ja schon super vorbereitet.
Melanie: Ich könnte mir auch vorstellen, wenn man so ein Pitch einmal ausgearbeitet hat dann ist das wahrscheinlich auch was, wenn man mitten in der Nacht geweckt wird, was man in jeder Situation irgendwie abspulen kann oder?
Nicklas Taja: Das ist genau die Philosophie, die uns immer wieder nahegelegt worden ist. Das heißt also egal wann, ihr müsst den Pitch so gut beherrschen und so gut verinnerlicht haben, dass, wenn man euch um Nacht zum drei Uhr weckt, müsst ihr es einfach mit geschlossenen Augen im Halbschlaf aufsagen können. Üben üben üben, das ist absolut das Essenziellste eigentlich bei der ganzen Geschichte. Und das haben René und ich wunderbar durchgezogen und haben unser Bestes natürlich auch immer gegeben. Auch wenn die Aufregung groß war. Da kann das, wie gesagt, in Kombinationen wie ich es zumindest gemacht habe, mit Atemübungen wunderbar helfen, wenn das Publikum dann groß ist und ein Anschaut von weiter unten. Das war schon spannend!
Melanie: Bei den Investor Days hat man ja genau drei Minuten Zeit für seinen Pitch und wenn man da drüber kommt, dann wird man ziemlich unsanft von lauter Musik von der Bühne geholt. Dann wird das Mikrofon abgestellt und dann ist Schicht im Schacht. Bei euch ist das leider auch passiert. Ich meine ich glaube ihr lagt schon in den letzten Zügen aber was ging euch dadurch dem Kopf? Konntet ihr das noch charmant retten und lösen?
René Fischer: Ja, natürlich. Auch wenn die Uhr abgelaufen ist, heißt es ja nicht, dass man automatisch direkt von der Bühne muss. Da muss man dann einfach sein Organ ein bisschen mehr strapazieren, einfach mal ein bisschen lauter werden und dann sind meistens auch genau diese Themen schon wieder gelöst, zumal ja auch das Publikum sehen möchte, wie agiert, wenn jemand auf der Bühne und komplett aus der Fassung geholt wird?
Ich denke, das haben wir auch in dem Zusammenhang ganz gut gelöst, indem wir einfach auch ohne Lautsprecher noch gesagt haben, was wir haben möchten und wo wir hin möchten.
Und ja, natürlich merkt man immer wieder – auch wenn die Uhr permanent einem vor Augen gehalten wird -, dass drei Minuten verdammt wenig Zeit sind, vor allem wenn man vor so einem großen Publikum steht, alles bestmöglich performen möchte, dass es dann hinten raus manchmal auch an nur fünf Sekunden scheitert, ist ärgerlich, aber man lernt aus seinen Fehlern und man wächst natürlich auch an seine Aufgaben.
Melanie: Ich wollte gerade sagen, ihr habt aus diesen Fehlern dann direkt eine Chance gemacht. Und in dem Moment mit einer großen Portion Selbstvertrauen auf so eine Bühne zu gehen ist die Herausforderung, aber wenn man sie gut meistert, hinterlässt man auch einen guten ersten Eindruck bei potentiellen Investoren.
Bei euch ging es dann nach dem Pitch direkt weiter, wahrscheinlich mit erstem Gesprächen. Auch ein Interview mit dem MDR habe ich gesehen. Wie war das für euch? Wer kam da so auf euch zu, hat sich da im Nachgang was für euch ergeben?
Nicklas Taja: Im Nachgang ging es dann in tiefergehende erste Gespräche von Interessensbekundung bis hin zur Kontaktaustausch von Leuten, also Rechtsanwälte, das waren Steuerberater, das war ein Geschäftsführer, die Presse. Es waren verschiedenste Leute unter anderem natürlich aber auch – und das war ja das was wir anvisiert haben – Fremdkapitalgeber, wo wir sozusagen in den Austausch gegangen sind und jetzt das ganze natürlich auch zuarbeiten müssen. Und das ist das, was wie seitdem auch tun.
Wir arbeiten viel an dem Businessplan, um das alles fertigzustellen und zu perfektionieren. Dann können wir sozusagen auf unser aufgebautes Netzwerk zurückgreifen und die Unterlagen zuarbeiten. Das ist jetzt letztendlich das, was im nächsten Step immer noch der Fall der Fälle ist.
Melanie: Die Investor Days entwickeln sich ja auch weiter. In diesem Jahr wird es zum ersten Mal direkt strukturierte 1:1 Matchings geben. Das bedeutet, man wird mit den Investoren zusammengebracht, die für einen potentiell interessant sein können. Meint ihr, das könnte die Sache für Teilnehmer der diesjährigen Runde noch vereinfachen? Ist das eine gute Sache? Oder würdet ihr sagen, dass es sich auch lohnt, von sich aus offen, mit Selbstvertrauen auf die Leute zuzugehen?
René Fischer: Also prinzipiell finde ich ist das eine mega super Sache, dass man so ein eins-zu-eins Matchmaking hat, zumal man als Startup immer sehr viele Fragezeichen über den Kopf hat: Mache ich das richtig? Bin ich da auf dem richtigen Weg? Klappt das überhaupt, wie es mir dann auch am Ende finanziell vorstelle? Und da kann natürlich ein Investor in der Frühphase schon super viel Input geben, was natürlich für den Gründer auch superessenziell ist, weil er hat zu Beginn wirklich immer den Fokus nur darauf, sein Baby großzumachen. Was so ein bisschen ein Vergessenheit gerät, ist natürlich auch, dass man den Businessplan ausarbeiten muss, dass man einen Finanzplan vorbereiten muss.
Es geht ja am Ende des Tages – egal wie sehr ich mein Projekt liebe – geht es natürlich am Ende darum, auch irgendwo Profit damit zu erwirtschaften bzw. auch irgendwo wirtschaftlich tätig und sicher zu werden. Und das sieht natürlich ein Investor genauso. Der muss sich auch sehr früh schon ein Bild machen, ob das Projekt Potenzial hat oder nicht.
Und dementsprechend kann ich wirklich immer nur unterschreiben, je früher desto besser. Je früher man auch genau mit diesen Leuten die einen am Ende des Tages auch wirklich was bringen können. Je früher man sich mit denen gemeinsam an den Tisch setzt, desto besseres ist es für alle Beteiligten auch.
Melanie: So Richtung Abschluss nochmal eine Frage für unsere Hörerinnen und Hörern.
Wenn ihr jetzt so drei Tipps zusammenfassen müsstet, was gebt ihr vielleicht den Teilnehmern der diesjährigen Investor Days, aber auch anderen, die in bestimmten Situationen mal pitchen müssen, mit auf den Weg?
Nicklas Taja: Man darf nie vergessen – und das hat mir persönlich immer sehr gut geholfen – wie gesagt ich war natürlich sehr angespannt Aufregung war auch groß und ich hatte die Atemübung natürlich schon erwähnt, aber man darf auch nie vergessen, dass die Leute im Publikum auch nur Menschen sind und sie möchten nicht sehen, dass du vorne auf der Bühne versagst. Also man muss sich nicht die Sorgen machen, dass man ausgelacht wird.
Viele der Leute im Publikum würden sich gar nicht trauen, auf die Bühne zu gehen und das zu tun, was du da tust. Das darf man nie vergessen. Es sind auch nur Menschen und die wollen sehen, dass du da vorne erfolgreich bist und dass du einen guten Pitch hinlegst. Deswegen, keine Angst davor. Atemübungen hatte ich schon erwähnt. Ansonsten das Thema: üben üben üben.
Und als letztes, was kann man dann noch mit auf den Weg geben? Der Austausch mit den Leuten aus der TRIP Class ist natürlich essentiell, die Demo Nights zum Beispiel zum Trainieren auch mitnehmen.
Gerade wenn man das erste Mal vor den ersten fünfzig Leuten ungefähr steht, kann man das wunderbar schon mal antesten und sich ein Gefühl dafür holen.
Und die Zeit war wirklich ein wichtiges Thema. Das Wichtigste über dein Business in kürzester Zeit, in drei Minuten letztendlich, zu pitchen und dabei das Interesse der Hörer immer aufrecht zu erhalten ist genauso wichtig, sodass der nicht einschläft und du mit einem falschen Einstieg startest oder sowas.
Melanie: Zum Abschluss, was sind die nächsten Meilensteine, die ihr dieses Jahr 2026 mit WaterLamp noch vorhabt? Wo soll es hingehen für euch?
René Fischer: Wir haben uns definitiv den Meilenstein gesetzt, dass wir in diesem Jahr gemeinsam mit dem Wettbewerb get started 2gether unseren ersten Prototypen eines funktionierenden, Wasser aktivierten Notfallenergiekoffer entwickeln möchten.
Parallel dazu gründen wir in diesem Jahr noch unsere neue Company namens Liquid 2 Energy, das Ganze gemeinsam mit unserem Erfinder Georgios, damit wir mit der Technologie aufs nächste Level skalieren können in Verbindung mit interessanten Fördermöglichkeiten, einem guten Netzwerk und den passenden Messeauftritten da alles weitere dann für die nächsten Jahre vorbereiten und ja aufsetzen können.
Melanie: Dafür drücke ich euch ganz sehr die Daumen. Und wenn ihr da draußen jetzt selbst darüber nachdenkt, eure Idee einmal auf der großen Bühne zu präsentieren: Die Bewerbung für einen Pitch bei den nächsten Investor Days Thüringen läuft aktuell noch bis zum 03. Mai. Und wer sich grundsätzlich intensiver auf Investoren Kontakte vorbereiten möchte – die nächste Trip Class startet im September!
Ihr zwei vielen Dank, dass ihr da wart und alles Gute für euch.
René & Nicklas: Vielen Dank für die Einladung!