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Wie aus der Liebe zu Geschichten eine eigene Erfolgsgeschichte wurde

ThEx Management -

13. August 2026

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Noch keine Pläne für das Wochenende? Für Erfuter:innen – und neuerdings auch Jenenser:innen – kein Problem: Sie können einfach einen Blick auf feelslike.erfurt bzw. feelslike.jena werfen. Mit ihrem digitalen Stadtmagazin zeigen Anika Luthardt und ihr Team, was in Erfurt und Umgebung alles geht – vom Food-Hot-Spot bis zu verwunschenen Wanderrouten. Für ihr unternehmerisches Engagement in Thüringen wurde Anika 2022 beim ThEx AWARD als IMPULSGEBERIN ausgezeichnet. Im Interview erzählt sie, von ihrer Rolle als Unternehmerin, wie sie mit Zweifeln umgeht und warum sich die Bewerbung beim ThEx AWARD für sie auch ohne Sieg gelohnt hätte.

 

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Woher kommt die Neugier auf lokale Geschichten und Orte?

Ich wollte schon immer Geschichten erzählen. Das hat mit der Grundschul-Schülerzeitung angefangen und hier geendet. Ich wollte schon immer von tollen Menschen tolle Geschichten erzählen und diese zu anderen Menschen bringen, die damit ihren Alltag gestalten können.

Erzählen Sie mal: Wie kam es zur Idee für die Gründung eines Online-Magazins?

Ich war schon Leserin von feelslike.erfurt, bevor ich überhaupt nach Erfurt gezogen bin. Als ich dann ungefähr ein halbes Jahr in Erfurt gewohnt habe, habe ich mitbekommen, dass die damalige Eigentümerin, Jessica Fichtel, den Blog abgeben wollte. Ich fand die Idee schon zu Beginn ganz toll, aber die Entscheidung selbst war dann doch sehr fix getroffen. Eines Abends saß ich auf dem Sofa und habe meinen Freund gefragt: „Soll ich es wirklich machen?“ Da antwortete er nur: „Ja, das machst du.“ Also habe ich dann mit meinem Ersparten den Blog noch während meiner Zeit als Studentin gekauft und ihn mit freiwilligen Redakteur:innen weiter aufgebaut. Als ich dann zum ersten Mal mit einer Kooperation über den Blog Geld verdient habe, kam mir der Gedanke, dass ich ihn auch hauptberuflich betreiben könnte. So habe ich also schon während des Studiums meine Selbstständigkeit angemeldet.

Haben Sie vorher schon mit einer Selbstständigkeit geliebäugelt?

Das war wirklich nie auf meiner Agenda. Ich hätte mir höchstens vorstellen können, als Autorin zu arbeiten, aber das dann auch nicht als selbstständige Tätigkeit. Ich war immer eher der Typ für einen Job, in dem ich kreativ sein kann und der mich erfüllt, aber bei dem ich dann nach Feierabend auch nichts mehr zu tun habe. Dementsprechend überrascht waren dann auch meine Freunde, als dies so ins Gegenteil gewechselt ist. Erst durch die Selbstständigkeit wurde mir dann bewusst, wie wichtig mir doch die berufliche Selbstverwirklichung ist und was für einen hohen Stellenwert sie in meinem Leben einnimmt.

Haben Sie das Gefühl, dass Sie als Gründerin noch einmal vor anderen Herausforderungen auf Ihrem Gründungsweg standen, als vielleicht männliche Kollegen?

Ich glaube, bei mir liegt es vor allem an dem Zusammenspiel zwischen Fachrichtung, Geschlecht und Alter. Ich denke, dass Frauen, die etwas Kreatives mit Medien machen und dann noch beschließen, Unternehmerin zu werden, es immer schwerer haben als beispielsweise der ‚Stino-Finanz-Männertyp‘. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es nicht ganz einfach ist, als Mitte 20-jährige mit einem kreativen Business, das für viele Thüringer überhaupt nicht greifbar ist, an Kunden heranzutreten.

Außerdem habe ich gemerkt, dass ich auch in der freien Wirtschaft viel häufiger auf Unternehmer als auf Unternehmerinnen treffe. Das erschwert es einem natürlich, Vorbilder zu finden. 

Es braucht eine bessere Vermarktung weiblicher Gründerinnen im Osten – insbesondere abseits der großen Städte. Darum ist es mir wichtig, Narrative zu teilen, die andere Gründerinnen und Unternehmerinnen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, motivieren können.

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Anika Luthardt Gründerin von feelslike.erfurt & feelslike.media

Inzwischen zählt zu Ihrem Portfolio nicht nur das Online-Magazin feelslike.erfurt, sondern auch die Kreativagentur feelslike.media. Wie kam es zu der Entscheidung, zusätzlich eine Agentur zu gründen?

Das hat sich durch unsere verschiedenen Kooperationen entwickelt. Wir haben gemerkt, dass viele Thüringer Unternehmen nicht nur Werbung, sondern vor allem einen richtig guten eigenen Social-Media-Auftritt bräuchten. Vor allem in Thüringen haben wir hier noch großes Entwicklungspotenzial gesehen.

Außerdem spielt hier auch der monetäre Aspekt mit rein. Ich habe mich in der Corona-Zeit selbstständig gemacht und deshalb war mir immer bewusst: Wenn noch einmal eine solche Krisensituation eintritt, ist das erste, woran gespart wird, das Werbebudget. Insbesondere für ein Unternehmen mit Mitarbeitern ist es daher von Vorteil, wenn man auf längerfristige Kooperationen bauen kann. Man kann einfach besser mit einem sechsmonatigen Vertrag kalkulieren als wenn man jeden Monat aufs Neue schauen muss, wie mit feelslike.erfurt Geld reinkommt. Es hat sich also einfach gut mit dem ergänzt, was wir bereits machen und bietet eine große finanzielle Absicherung.

Wie bemessen Sie für sich Erfolg?

Für mich persönlich bedeutet Erfolg ein gesundes Nervensystem. Das ist natürlich manchmal nicht ganz einfach als Unternehmerin. Ich wünsche mir, dass ich ein cooles Team finanzieren kann, aber gleichzeitig nicht nur im Job bin, sondern auch neben meiner Unternehmung ein Leben haben kann.

Unternehmerisch betrachtet würde ich sagen, dass Erfolg für mich aus einer Mischung aus zwei Sachen besteht: Natürlich zum einen die Followerzahlen, zum anderen aber auch das Wissen, dass ich die Leute am richtigen Punkt erreiche. Für mich bedeutet Erfolg, wenn ich persönliches Feedback erhalte. Wenn mir beispielsweise ein Weihnachtsmarktverkäufer erzählt, dass er durch unseren Post so viel Umsatz gemacht hat wie noch nie. 

Außerdem ist es mir wichtig, ein Team zu haben, das kreativ ist und Spaß hat. Wenn ich also Arbeitsplätze für coole Menschen schaffen kann. Nicht zuletzt wünsche ich mir, dass wir eine große Marke werden, an der man nicht vorbeikommt, wenn man nach Thüringen kommt.

Wann hatten Sie zuletzt echte Zweifel? 

Aktuell ist es auf jeden Fall die wirtschaftliche Lage. Ich mache mir Sorgen, dass wir irgendwann nicht mehr genügend Einnahmen generieren können. Und natürlich macht einem auch die politische Situation Sorgen. Ich bin für ein vielfältiges und buntes Thüringen, das kreativ bleiben kann, das zeigt, dass es gastfreundlich und offen sein kann. Ich weiß aber, dass das in vielerlei Hinsicht nicht die Realität ist. Und dass uns Menschen folgen, die nicht dieselbe Meinung haben. Aber ich bin in so einer privilegierten Situation, dass ich erst das Handtuch werfe, wenn es wirklich gar nicht mehr geht.

Wie gehen Sie mit unternehmerischen Rückschlägen um? Haben Sie etwas, was Ihnen dabei hilft, in solchen Moment nicht zu verzagen? 

Als ich letztens dachte: „Jetzt hast du wieder nichts geschafft“, habe ich einen Tipp bekommen. Mir wurde geraten, aufzuschreiben, was meine Wünsche vor fünf Jahren waren und wo ich jetzt stehe. Das hat mir total geholfen. Das mache ich jetzt ganz oft, weil mich das einfach aus meiner Ohnmacht raus bringt und mir zeigt: Du bist vielleicht gerade unzufrieden, aber du weißt, dass es immer weitergeht.

Was macht Ihnen persönlich gerade Hoffnung für die Zukunft?

Mir macht es Hoffnung, dass Dinge auch voran gehen. Mir macht ein kollektives Miteinander Hoffnung. Dass auch, wenn es viele Probleme in Thüringen gibt, wir dennoch ein ganz tolles Netzwerk aus Menschen sind, die sich miteinander verbinden können, die etwas Gutes für unser Bundesland wollen. Und je mehr ich davon in der Öffentlichkeit sehe, desto mehr Hoffnung macht mir das.

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An welchem Punkt standen Sie, als Sie den ThEx AWARD gewonnen haben?

Zu diesem Zeitpunkt hatten wir gerade ein Crowdfunding für eine Stadt-Tour-Box laufen. Das war für mich eine ganz stressige und schlimme Zeit, weil ich Angst hatte, dass wir das Geld dafür nicht zusammenbekommen. Und dann habe ich den ThEx AWARD gewonnen. Es war in dem Moment für mich super wichtig, diese Anerkennung und das professionelle Feedback zu bekommen, dass wir nicht auf dem völlig falschen Weg sind.

Was ging in Ihnen vor, als Sie beim ThEx AWARD Ihren Namen gehört haben und die Trophäe überreicht bekommen haben?

Ich hatte das wirklich nicht geglaubt, bis der Minister die Laudatio vorgelesen hat. Ich hatte einen stressigen Tag und war mir gar nicht sicher, ob ich überhaupt komme, weil ich dachte, dass ich sowieso nicht gewinne. Ich wäre auch fast gar nicht aufgestanden, weil ich dachte, dass es vielleicht noch jemand anderen mit einem ähnlichen Lebenslauf gibt. Das war für mich wirklich ganz verrückt und aufregend. Ein unbeschreibliches Gefühl, weil man es wirklich nicht erwartet. Die schönste Überraschungsparty, die man sich vorstellen kann. 

Warum lohnt sich eine Bewerbung beim ThEx AWARD?

Es lohnt sich alleine schon deshalb, weil man sich im Zuge der Bewerbung so intensiv mit seinem Unternehmen auseinandersetzt: Während des Bewerbungsprozesses alles Wichtige einfach mal in Worte zu fassen und auch im Pitch zu präsentieren. Mittlerweile mache ich das ganz viel und die Aufregung wird weniger, aber damals war es für mich sehr wichtig, den Sprung in das kalte Wasser zu wagen und es auszuprobieren – das eigene Unternehmen vor vielen fremden Personen vorzustellen und für die eigene Idee einzustehen. Selbst wenn ich gar nicht gewonnen hätte, wäre die Bewerbung ein total wichtiger Schritt auf meiner Gründungsreise gewesen. 

Was würden Sie Gründer:innen raten, die gerade darüber nachdenken, sich zu bewerben?

Bewerbt euch! Ich habe mich mit einer Idee beworben, von der ich niemals gedacht hätte, dass sie irgendjemand auch nur ansatzweise spannend finden könnte. Auf meinem Weg habe ich oft das Feedback bekommen, dass es nicht das lukrativste Geschäftsmodell ist und ich habe es trotzdem gemacht und bin auch immer noch hier. Man muss kein Tech-Unternehmer sein, um sich für den ThEx AWARD zu bewerben und es muss auch grundsätzlich nicht die krasseste Idee sein. Es kann in der Nische genau das Richtige sein.

 

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Fotos: Thomas Müller

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