Inzwischen zählt zu Ihrem Portfolio nicht nur das Online-Magazin feelslike.erfurt, sondern auch die Kreativagentur feelslike.media. Wie kam es zu der Entscheidung, zusätzlich eine Agentur zu gründen?
Das hat sich durch unsere verschiedenen Kooperationen entwickelt. Wir haben gemerkt, dass viele Thüringer Unternehmen nicht nur Werbung, sondern vor allem einen richtig guten eigenen Social-Media-Auftritt bräuchten. Vor allem in Thüringen haben wir hier noch großes Entwicklungspotenzial gesehen.
Außerdem spielt hier auch der monetäre Aspekt mit rein. Ich habe mich in der Corona-Zeit selbstständig gemacht und deshalb war mir immer bewusst: Wenn noch einmal eine solche Krisensituation eintritt, ist das erste, woran gespart wird, das Werbebudget. Insbesondere für ein Unternehmen mit Mitarbeitern ist es daher von Vorteil, wenn man auf längerfristige Kooperationen bauen kann. Man kann einfach besser mit einem sechsmonatigen Vertrag kalkulieren als wenn man jeden Monat aufs Neue schauen muss, wie mit feelslike.erfurt Geld reinkommt. Es hat sich also einfach gut mit dem ergänzt, was wir bereits machen und bietet eine große finanzielle Absicherung.
Wie bemessen Sie für sich Erfolg?
Für mich persönlich bedeutet Erfolg ein gesundes Nervensystem. Das ist natürlich manchmal nicht ganz einfach als Unternehmerin. Ich wünsche mir, dass ich ein cooles Team finanzieren kann, aber gleichzeitig nicht nur im Job bin, sondern auch neben meiner Unternehmung ein Leben haben kann.
Unternehmerisch betrachtet würde ich sagen, dass Erfolg für mich aus einer Mischung aus zwei Sachen besteht: Natürlich zum einen die Followerzahlen, zum anderen aber auch das Wissen, dass ich die Leute am richtigen Punkt erreiche. Für mich bedeutet Erfolg, wenn ich persönliches Feedback erhalte. Wenn mir beispielsweise ein Weihnachtsmarktverkäufer erzählt, dass er durch unseren Post so viel Umsatz gemacht hat wie noch nie.
Außerdem ist es mir wichtig, ein Team zu haben, das kreativ ist und Spaß hat. Wenn ich also Arbeitsplätze für coole Menschen schaffen kann. Nicht zuletzt wünsche ich mir, dass wir eine große Marke werden, an der man nicht vorbeikommt, wenn man nach Thüringen kommt.
Wann hatten Sie zuletzt echte Zweifel?
Aktuell ist es auf jeden Fall die wirtschaftliche Lage. Ich mache mir Sorgen, dass wir irgendwann nicht mehr genügend Einnahmen generieren können. Und natürlich macht einem auch die politische Situation Sorgen. Ich bin für ein vielfältiges und buntes Thüringen, das kreativ bleiben kann, das zeigt, dass es gastfreundlich und offen sein kann. Ich weiß aber, dass das in vielerlei Hinsicht nicht die Realität ist. Und dass uns Menschen folgen, die nicht dieselbe Meinung haben. Aber ich bin in so einer privilegierten Situation, dass ich erst das Handtuch werfe, wenn es wirklich gar nicht mehr geht.
Wie gehen Sie mit unternehmerischen Rückschlägen um? Haben Sie etwas, was Ihnen dabei hilft, in solchen Moment nicht zu verzagen?
Als ich letztens dachte: „Jetzt hast du wieder nichts geschafft“, habe ich einen Tipp bekommen. Mir wurde geraten, aufzuschreiben, was meine Wünsche vor fünf Jahren waren und wo ich jetzt stehe. Das hat mir total geholfen. Das mache ich jetzt ganz oft, weil mich das einfach aus meiner Ohnmacht raus bringt und mir zeigt: Du bist vielleicht gerade unzufrieden, aber du weißt, dass es immer weitergeht.
Was macht Ihnen persönlich gerade Hoffnung für die Zukunft?
Mir macht es Hoffnung, dass Dinge auch voran gehen. Mir macht ein kollektives Miteinander Hoffnung. Dass auch, wenn es viele Probleme in Thüringen gibt, wir dennoch ein ganz tolles Netzwerk aus Menschen sind, die sich miteinander verbinden können, die etwas Gutes für unser Bundesland wollen. Und je mehr ich davon in der Öffentlichkeit sehe, desto mehr Hoffnung macht mir das.