Seit über 18 Jahren begleitet Swen Köcher Menschen auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit. Im Interview erzählt der Gründungsbegleiter von ThEx Enterprise, woran er erkennt, dass eine Idee echtes Potenzial hat, warum ein funktionierender Prototyp mehr sagt als jede Theorie und was andere Gründerinnen und Gründer von Christoph Prinz und Marc Pfeifer lernen können. Außerdem spricht er darüber, was es braucht, um eine Idee mit Ausdauer, Kundenorientierung und den richtigen Netzwerken erfolgreich weiterzuentwickeln.
Wer sind Sie und was machen Sie bei ThEx Enterprise?
Ich bin Gründungsbegleiter und unterstütze Menschen auf Augenhöhe auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit. Als eine Art Lotse gebe ich Orientierung, zeige die Unterstützungsmöglichkeiten des ThEx Verbundes auf und schaue gemeinsam mit den Gründerinnen und Gründern, welche Angebote zu ihrer Situation passen.
Ich begleite unter anderem bei Businessplänen, Finanzplanungen, Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten und unterstütze dabei, die richtigen Kontakte zu knüpfen. Mein Ziel ist es, Menschen auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit bestmöglich zu begleiten.
Woran haben Sie bei Christoph und Marc als Erstes gemerkt: Die beiden meinen es ernst?
Ich begleite seit über 18 Jahren Menschen auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit. Über die Jahre hat sich so etwas wie ein Gründungs-Seismograf entwickelt. Er liefert mir meist recht zuverlässige Ergebnisse, auch wenn ich sie nicht immer rational erklären kann.
Als ich Christoph zum ersten Mal kennengelernt habe, hatte ich sofort das Gefühl, dass er es ernst meint. Das habe ich an seinen Augen gesehen. Er kannte sich in seiner Materie so gut aus, hatte tiefgreifende Markt- und Branchenkenntnisse und damit einen wertvollen Schatz.
Als ich später Marc kennengelernt habe und er erzählte, dass er bereits selbstständig ist und bereit war, eigenes Geld zu investieren, war klar: Die beiden meinen es ernst.
Gab es den einen Moment, bei dem Sie dachten: Das könnte wirklich funktionieren?
Es gab nicht den einen Moment, sondern mehrere. Aber einer ist mir besonders in Erinnerung geblieben: Raus aus der Theorie – rein in die Praxis. Der Prototyp hat mich überzeugt.
Welchen Fehler machen Gründer besonders häufig, obwohl sie es eigentlich besser wissen müssten?
Viele Gründerinnen und Gründer verlieben sich in ihre Idee und machen ihre eigenen Bedürfnisse schnell zu den Bedürfnissen des Marktes. Überspitzt gesagt: Wenn ich Hunger habe, haben alle Hunger. Oder wenn ich eine bestimmte Automarke mag, dann mögen sie auch alle anderen.
Genau darin liegt häufig der Fehler.
Die Kunst besteht darin, die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden zu verstehen und daraus eine passende Lösung zu entwickeln, unabhängig von den eigenen Bedürfnissen.
Gab es einen Moment, in dem Sie gemerkt haben: Jetzt denken die beiden nicht mehr wie Produktentwickler, sondern wie Unternehmer?
Die beiden haben von Anfang an unternehmerisch gedacht.
Das sind keine Tagträumer, die jahrelang an der perfekten Ingenieurslösung arbeiten. Sie haben früh verstanden, dass sich Märkte verändern und man sich konsequent an den Bedürfnissen der Kunden orientieren muss.
Was können andere Gründer von PartPrinZ lernen?
Dranbleiben. Nicht aufgeben – auch bei Rückschlägen.
Immer wieder Wege finden, das Unternehmen weiterzuentwickeln und sich konsequent an den Bedürfnissen der Kundinnen und Kunden auszurichten.
Was würden Sie Menschen raten, die gerade mit einer Idee starten?
Holen Sie sich Partner ins Boot. Damit meine ich nicht zwangsläufig Geschäftspartner.
Das können Freunde, Familienmitglieder, Mentorinnen und Mentoren oder auch kritische Menschen aus Ihrem Umfeld sein. Wichtig ist ehrliches Feedback, sie brauchen keine Ja-Sager.
Nutzen Sie außerdem die Angebote der Kammern und des ThEx Verbundes. Dort finden Sie kompetente Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner, die Sie mit fachlicher Expertise, Veranstaltungen und Netzwerken unterstützen.
Warum scheitern gute Ideen manchmal trotzdem?
Eine gute Idee allein ist kein Garant für ein erfolgreiches Unternehmen.
Es gibt unzählige Einflussfaktoren, und oft reicht schon eine kleine Veränderung, damit das gesamte Vorhaben ins Wanken gerät. Mal platzt die Finanzierung, ein wichtiger Partner springt ab, ein Wettbewerber ist schneller oder Kundenbedürfnisse verändern sich.
Manchmal fehlt schlicht auch das nötige Quäntchen Glück.
Welche Rolle spielen Netzwerke beim Gründen wirklich?
Netzwerke sind das Salz in der Suppe.
Sie schaffen Zugang zu Wissen, Kapital und den richtigen Kontakten. Sie helfen dabei, Probleme schneller zu lösen, erhöhen die Sichtbarkeit und geben gerade in schwierigen Phasen wertvollen Rückhalt.
Wenn ein Investor abspringt oder ein Lieferant ausfällt, sind gute Netzwerke oft die stärkste Sicherheit.