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Cyberangriff: Lehren aus einem realen Ernstfall

Melanie Friedrichs -

19. August 2026

MFA komprimiert

Viele Unternehmen beschäftigen sich mit IT-Sicherheit erst intensiver, wenn etwas passiert. Wie schnell aus einzelnen Warnsignalen eine echte Unternehmenskrise werden kann, zeigt ein Cyberangriff auf die Funke Mediengruppe. Innerhalb kurzer Zeit wurden zentrale Systeme verschlüsselt und der Geschäftsbetrieb massiv eingeschränkt.

Rückblickend erinnert sich Tim Estermann, heute Chief Information Security Officer (CISO) bei Thalia, vor allem an die Reaktion der Mitarbeitenden:

„Es hat mich am meisten überrascht, dass alle Menschen sofort mit angepackt haben. Es war für alle klar, dass nur gemeinsam der Geschäftsbetrieb aufrechterhalten werden kann. Vor diesem Verhalten habe ich bis heute höchsten Respekt und es zeigt, dass wir nur gemeinsam erfolgreich sein können.“

Die Erfahrung zeigt: Technische Schutzmaßnahmen sind wichtig. In einer Krisensituation entscheiden aber oft Menschen, Prozesse und Kommunikation darüber, wie handlungsfähig ein Unternehmen bleibt.

Cyberangriffe beginnen oft unscheinbar

Viele stellen sich einen Cyberangriff als spektakuläres Ereignis vor. In der Praxis startet er häufig mit kleinen Auffälligkeiten: Eine verdächtige E-Mail, ungewöhnliche Anmeldungen oder Dateien, die sich plötzlich nicht mehr öffnen lassen.

Wer solche Warnsignale früh erkennt und ernst nimmt, kann Schäden häufig begrenzen. Deshalb gehört die Sensibilisierung von Mitarbeitenden zu den wichtigsten Schutzmaßnahmen überhaupt.

Lösegeld löst das Problem selten

Bei vielen Angriffen fordern die Täter Geld für die Entschlüsselung der Daten. Die Zahlung wirkt auf den ersten Blick wie der schnellste Weg zurück zum Normalbetrieb.

Sicherheitsbehörden raten jedoch davon ab. Es gibt keine Garantie, dass Daten tatsächlich wiederhergestellt werden. Zudem bleibt oft unklar, ob Informationen bereits kopiert wurden. Jede Zahlung unterstützt weitere kriminelle Aktivitäten.

Backups müssen funktionieren

Eine der wichtigsten Lehren aus dem Vorfall betrifft die Datensicherung.

„Backups! Die Einhaltung der 3-2-1-Regel, nach der mindestens drei Backups auf zwei verschiedenen Medien und eines davon außerhalb des Unternehmens gespeichert werden sollen, ist essenziell.“

Zusätzlich empfiehlt er, mindestens eine Sicherung offline und damit vor Manipulationen geschützt aufzubewahren.

Ebenso wichtig: Die Wiederherstellung sollte regelmäßig getestet werden. Ein Backup hilft nur dann, wenn die Daten im Ernstfall tatsächlich verfügbar und nutzbar sind.

Vorbereitung reduziert Schäden

Rückblickend sieht Tim Estermann eine Maßnahme als besonders wichtig:

„Multi-Faktor-Authentifizierung verhindert 99 % der Angriffe und hätte wahrscheinlich auch diesen Angriff verhindert oder zumindest erschwert.“

Daneben sollte jedes Unternehmen einen einfachen Notfallplan haben. Dabei geht es vor allem um folgende Fragen:

  • Wer übernimmt Entscheidungen?
  • Wer wird informiert?
  • Welche Systeme haben Priorität?
  • Welche Dienstleister werden eingebunden?
  • Wie funktioniert die Kommunikation bei einem Systemausfall?

Je klarer diese Punkte geregelt sind, desto schneller kann im Ernstfall gehandelt werden.

Auch kleine Unternehmen sind betroffen

Viele Betriebe halten sich für kein attraktives Ziel. Die Praxis zeigt jedoch etwas anderes.

„Angriffe werden häufig nach dem Gießkannenprinzip durchgeführt und Angreifende interessiert vorerst nicht, ob es sich um ein besonders großes oder wichtiges Unternehmen handelt.“

Deshalb lohnt es sich, die Grundlagen konsequent umzusetzen:

  • Multi-Faktor-Authentifizierung aktivieren
  • Software aktuell halten
  • Zugriffsrechte regelmäßig prüfen
  • Mitarbeitende sensibilisieren
  • Backups testen
  • Notfallpläne erstellen und üben
IT-Security-Day 2026

IT-Security-Day 2026 in Erfurt

Wer mehr über konkrete Schutzmaßnahmen und Erfahrungen aus realen Sicherheitsvorfällen erfahren möchte, kann am 2. September 2026 am IT-Security-Day in Erfurt teilnehmen. Dort gibt Tim Estermann Einblicke aus der Praxis und zeigt, welche Maßnahmen Unternehmen mit überschaubarem Aufwand umsetzen können.

Die Veranstaltung richtet sich insbesondere an kleine und mittlere Unternehmen. Themen sind unter anderem IT-Notfallplanung, Informationssicherheit, Microsoft 365, Multi-Faktor-Authentifizierung, digitale Souveränität und der sichere Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI).

Darüber hinaus unterstützt ThEx Wirtschaft 4.0 Thüringer Unternehmen mit kostenfreien Beratungsangeboten rund um Digitalisierung und IT-Sicherheit.

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