Viele Unternehmen beschäftigen sich mit IT-Sicherheit erst intensiver, wenn etwas passiert. Wie schnell aus einzelnen Warnsignalen eine echte Unternehmenskrise werden kann, zeigt ein Cyberangriff auf die Funke Mediengruppe. Innerhalb kurzer Zeit wurden zentrale Systeme verschlüsselt und der Geschäftsbetrieb massiv eingeschränkt.
Rückblickend erinnert sich Tim Estermann, heute Chief Information Security Officer (CISO) bei Thalia, vor allem an die Reaktion der Mitarbeitenden:
„Es hat mich am meisten überrascht, dass alle Menschen sofort mit angepackt haben. Es war für alle klar, dass nur gemeinsam der Geschäftsbetrieb aufrechterhalten werden kann. Vor diesem Verhalten habe ich bis heute höchsten Respekt und es zeigt, dass wir nur gemeinsam erfolgreich sein können.“
Die Erfahrung zeigt: Technische Schutzmaßnahmen sind wichtig. In einer Krisensituation entscheiden aber oft Menschen, Prozesse und Kommunikation darüber, wie handlungsfähig ein Unternehmen bleibt.
Cyberangriffe beginnen oft unscheinbar
Viele stellen sich einen Cyberangriff als spektakuläres Ereignis vor. In der Praxis startet er häufig mit kleinen Auffälligkeiten: Eine verdächtige E-Mail, ungewöhnliche Anmeldungen oder Dateien, die sich plötzlich nicht mehr öffnen lassen.
Wer solche Warnsignale früh erkennt und ernst nimmt, kann Schäden häufig begrenzen. Deshalb gehört die Sensibilisierung von Mitarbeitenden zu den wichtigsten Schutzmaßnahmen überhaupt.
Lösegeld löst das Problem selten
Bei vielen Angriffen fordern die Täter Geld für die Entschlüsselung der Daten. Die Zahlung wirkt auf den ersten Blick wie der schnellste Weg zurück zum Normalbetrieb.
Sicherheitsbehörden raten jedoch davon ab. Es gibt keine Garantie, dass Daten tatsächlich wiederhergestellt werden. Zudem bleibt oft unklar, ob Informationen bereits kopiert wurden. Jede Zahlung unterstützt weitere kriminelle Aktivitäten.
Backups müssen funktionieren
Eine der wichtigsten Lehren aus dem Vorfall betrifft die Datensicherung.
„Backups! Die Einhaltung der 3-2-1-Regel, nach der mindestens drei Backups auf zwei verschiedenen Medien und eines davon außerhalb des Unternehmens gespeichert werden sollen, ist essenziell.“
Zusätzlich empfiehlt er, mindestens eine Sicherung offline und damit vor Manipulationen geschützt aufzubewahren.
Ebenso wichtig: Die Wiederherstellung sollte regelmäßig getestet werden. Ein Backup hilft nur dann, wenn die Daten im Ernstfall tatsächlich verfügbar und nutzbar sind.
Vorbereitung reduziert Schäden
Rückblickend sieht Tim Estermann eine Maßnahme als besonders wichtig:
„Multi-Faktor-Authentifizierung verhindert 99 % der Angriffe und hätte wahrscheinlich auch diesen Angriff verhindert oder zumindest erschwert.“
Daneben sollte jedes Unternehmen einen einfachen Notfallplan haben. Dabei geht es vor allem um folgende Fragen:
- Wer übernimmt Entscheidungen?
- Wer wird informiert?
- Welche Systeme haben Priorität?
- Welche Dienstleister werden eingebunden?
- Wie funktioniert die Kommunikation bei einem Systemausfall?
Je klarer diese Punkte geregelt sind, desto schneller kann im Ernstfall gehandelt werden.
Auch kleine Unternehmen sind betroffen
Viele Betriebe halten sich für kein attraktives Ziel. Die Praxis zeigt jedoch etwas anderes.
„Angriffe werden häufig nach dem Gießkannenprinzip durchgeführt und Angreifende interessiert vorerst nicht, ob es sich um ein besonders großes oder wichtiges Unternehmen handelt.“
Deshalb lohnt es sich, die Grundlagen konsequent umzusetzen:
- Multi-Faktor-Authentifizierung aktivieren
- Software aktuell halten
- Zugriffsrechte regelmäßig prüfen
- Mitarbeitende sensibilisieren
- Backups testen
- Notfallpläne erstellen und üben