Kreativität beginnt dort, wo gewohnte Grenzen aufhören. Norman Schulz, Leiter der Thüringer Agentur für die Kreativwirtschaft (THAK), erlebt täglich, wie aus unterschiedlichen Perspektiven neue Möglichkeiten entstehen. Als ein Projekt des ThEx Verbundes unterstützt die THAK Selbstständige in der Kreativbranche auf ihren unternehmerischen Wegen – so wie Anne Raßbach. Im Interview spricht Norman über die Kraft der Kreativwirtschaft, über unternehmerischen Mut und darüber, warum gute Netzwerke aus Ideen Wirkung machen.
Wer bist du und was machst du bei der THAK?
Ich bin Norman Schulz und leite die Thüringer Agentur für die Kreativwirtschaft. Mich beschäftigt seit vielen Jahren die Frage, wie Kreativschaffende ihre Ideen erfolgreich unternehmerisch entwickeln können und welche Rolle die Kreativwirtschaft für die Zukunft Thüringens spielt.
Gemeinsam mit meinem Team bringen wir Kreativschaffende untereinander und mit anderen Branchen zusammen und machen sichtbar, welches Potenzial die Kreativwirtschaft für Wirtschaft und Gesellschaft entfaltet.
Was macht die THAK in drei Worten aus?
Verbinden. Stärken. Sichtbarmachen.
Warum braucht Thüringen eine Kreativwirtschaft?
Viele verbinden Kreativwirtschaft vor allem mit Gestaltung. Für mich ist sie vor allem Zukunftsgestaltung.
Die Kreativwirtschaft ist eine überraschend starke Branche. Sie leistet wichtige Beiträge zu Wertschöpfung, Beschäftigung und Wachstum in Thüringen.
Gleichzeitig bringen Kreativschaffende etwas Besonderes mit: Sie haben den Blick über den Tellerrand professionalisiert. Sie öffnen neue Möglichkeitsräume. Und sie gestalten aus Unterschieden Verbindungen.
Das ist auch einer der Gründe, warum mir diese Branche so wichtig ist: Weil ich hier immer wieder erlebe, dass aus Unterschieden nicht Trennung entsteht, sondern Verbindung.
Genau diese Fähigkeit können wir gerade an vielen Stellen in Wirtschaft und Gesellschaft richtig gut gebrauchen.
Was unterschätzen viele Menschen an der Kreativbranche?
Viele unterschätzen, welche Rolle Kreativschaffende über ihre eigentliche Disziplin hinaus spielen können. Ihre besondere Stärke liegt für mich darin, neue Denk- und Möglichkeitsräume zu eröffnen, unterschiedliche Perspektiven miteinander zu verbinden und so neue Lösungswege sichtbar zu machen. Genau deshalb sind sie wertvolle Innovationskomplizen für Unternehmen, Verwaltungen und viele andere Bereiche.
Woran erkennst du, dass aus einer kreativen Idee ein tragfähiges Unternehmen werden kann?
Ich schaue weniger auf die Idee als auf den Menschen dahinter. Mich interessiert, ob jemand in seiner Motivation geklärt ist und weiß, was er oder sie bewirken möchte.
Viele Kreativschaffende glauben, ihnen würden für erfolgreiches Unternehmertum wichtige Kompetenzen fehlen. Ich erlebe das häufig anders. Wer komplexe kreative Projekte entwickelt, gestaltet, komponiert oder inszeniert, bringt viele dieser Fähigkeiten bereits mit – nur in einem anderen Kontext.
Entscheidend ist für mich die Bereitschaft, diese kreativen Kompetenzen auch für das eigene Unternehmen zu nutzen. Dann wird aus schöpferischer Leistung unternehmerische Wertschöpfung.
Warum sind Netzwerke gerade für Kreative so wichtig?
Die Kreativwirtschaft ist eine sehr kleinteilige, heterogene und dadurch hoch spezialisierte Branche. Gerade deshalb werden Netzwerke zu einem wesentlichen Bestandteil des eigenen Geschäftsmodells. Denn je schärfer das eigene Profil ist, desto wichtiger werden belastbare Netzwerke.
Was wäre ohne Netzwerke für viele Kreative anders?
Die Kreativwirtschaft wäre auch ohne Netzwerke eine starke Branche. Aber sie wäre deutlich weniger anschlussfähig – untereinander ebenso wie für Unternehmen anderer Branchen.
Viele Potenziale blieben ungenutzt, weil unterschiedliche Kompetenzen nicht zusammenfinden würden. Gerade in einer hoch spezialisierten Branche entscheidet die Qualität der Netzwerke darüber, welche Wirkung diese Kompetenzen gemeinsam entfalten können.
Welche Rolle spielt die THAK dabei?
Genau dafür gestalten wir gezielt Anlässe für Begegnungen – zwischen Kreativschaffenden und mit Unternehmen aus anderen Branchen. Unsere Mission ist es, die Voraussetzungen für belastbare Netzwerke zu schaffen. Netzwerke, aus denen Vertrauen, Zusammenarbeit und langfristige Kooperationen entstehen können und die der Kreativwirtschaft mehr Gewicht und Gesicht verleihen.
Was würdest du Kreativen raten, die ihr Unternehmen weiterentwickeln möchten?
Ich würde Kreativen raten, ihre Stärken konsequent zu schärfen, sich klar zu positionieren und nicht zu versuchen, alles selbst zu machen, sondern nur das, was sie wirklich gut können und mit Leidenschaft tun. Gleichzeitig lohnt es sich, in belastbare Netzwerke zu investieren.
Denn die spannendsten Projekte entstehen selten allein. Sie entstehen dort, wo unterschiedliche Kompetenzen zusammenkommen und Vertrauen gewachsen ist. Genau dann entfaltet sich die kreative Kraft, die wir für eine starke und zukunftsfähige Wirtschaft und Gesellschaft brauchen.
Vielen Dank für das Gespräch!