Kontakt

Sie haben eine Frage? Kontaktieren Sie uns gern, wir antworten so schnell wie möglich.
Felder die mit * markiert sind, sind Pflichtfelder.

Allgemein
Adresse
(geplantes) Gründungsdatum
Gründungsprämie
HWK relevant
Nachricht
Ich habe die Hinweise zum Datenschutz gelesen 

Mutmacherin Annakatarina Schroth im Interview

ThEx FRAUENSACHE. -

27. Mai 2026

Anna1 kleiner

Annakatarina Schroth ist Marketingstrategin mit über 15 Jahren Berufserfahrung – und fast genauso lang selbstständig. Viele Jahre arbeitete sie parallel zu ihren beruflichen Stationen nebenberuflich als Freiberuflerin, bevor sie sich vollständig selbstständig machte. Im vergangenen Jahr gründete sie zusätzlich ihre Agentur EINHORN | Business Management & Brand Empowerment, in der sie strategische Markenentwicklung, werteorientierte Kommunikation und nachhaltige Sichtbarkeit verbindet. Zur Agentur gehört auch der Coworking- und Meeting-Space häselWORK in der Geraer Häselburg. Privat ist sie Mutter, politisch engagiert und beschäftigt sich intensiv mit Psychologie, Nachhaltigkeit und gesellschaftlicher Verantwortung – Perspektiven, die auch ihre Arbeit prägen.

Du bist gerade im 15. Jahr Deiner Selbstständigkeit. Das heißt, dass Du bereits nach Deiner Ausbildung als Kauffrau für Marketingkommunikation nebenberuflich in Dein Business gestartet bist. Wie ist es dazu gekommen? Und an welchem Punkt hast Du Deine Selbstständigkeit zum Haupterwerb gemacht?

Ich habe meine Ausbildung zur Kauffrau für Marketingkommunikation bis 2012 in einem Konzern gemacht – verkürzt sogar. Rückblickend war das eine unglaublich gute Lehrzeit, von der ich bis heute profitiere. Gleichzeitig habe ich aber auch früh gemerkt, dass ich nie besonders gut darin war, mich nur auf „eine Sache“ zu konzentrieren.

Deshalb habe ich schon damals parallel zu meinen Festanstellungen freiberuflich gearbeitet – zunächst eher im Nebenerwerb mit kleineren Projekten: Webseiten, Social Media, Blogging oder klassische Agenturleistungen. Über die Jahre zog sich das eigentlich immer parallel durch mein Berufsleben.

Zwischendurch war ich sogar schon einmal kurz vollständig selbstständig, als ich aus Baden-Württemberg zurück nach Thüringen gezogen bin. Dann kam allerdings ein neues Angebot als Marketingleiterin im Bio-Seehotel Zeulenroda – an einem wirklich besonderen Ort – und ich habe mich doch wieder für die Festanstellung entschieden. Also blieb die Selbstständigkeit erst einmal weiterhin im Nebenerwerb bestehen.

Später bin ich Mutter geworden und habe beruflich noch einmal einen Schwenk in die politische Richtung gemacht. Nach einigen Jahren politscher Kommunikation in der Landespolitik wurde mir aber zunehmend klar: Ich komme ursprünglich aus der Wirtschaft, denke strategisch und möchte dort langfristig auch wirken. Als sich das Ende der Legislaturperiode abzeichnete und mein Kind gleichzeitig etwas größer wurde, wusste ich: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt.

Ab Ende 2023 habe ich mir die Selbstständigkeit deshalb wieder gezielt parallel aufgebaut, sodass ich im Herbst 2024 mit dem Ende meiner Festanstellung sicher und mit einem guten Fundament in die vollständige Selbstständigkeit starten konnte.

...unterschätzt eure eigene Expertise nicht.

Annakatarina Schroth

Als Beraterin bist Du sowohl beim RKW, als auch bei der BAFA gelistet, wodurch Deine Beratungsleistung förderbar ist. Welchen Tipp gibst Du Frauen, die darüber nachdenken, sich ebenfalls akkreditieren zu lassen?

Machen! :) Tatsächlich hatte ich schon Jahre vorher darüber nachgedacht, mich akkreditieren zu lassen. Der entscheidende Anstoß kam dann aber durch eine Freundin, die gründen wollte. Sie kannte meine Arbeit und meinte irgendwann: „Das wird gefördert – aber ich möchte, dass DU meinen Markenentwicklungsprozess begleitest. Von der Strategie bis hin zur Webseite und den Social-Media-Kanälen.“

Also habe ich mich letztlich ursprünglich sogar für sie akkreditieren lassen. Ehrlicherweise hatte ich mich davor lange ein bisschen gesträubt, weil ich dachte: Das bringt unglaublich viele Vorgaben, Qualitätsmanagement und Regularien mit sich. Und ja – das stimmt natürlich auch. Man muss einen hohen Standard liefern und Verantwortung für die eigene Arbeit übernehmen.

Aber irgendwann dachte ich mir: Wovor habe ich eigentlich Angst? Ich muss keine Sorge davor haben, meine Arbeit sichtbar, messbar oder überprüfbar zu machen. Im Gegenteil, denn meine Arbeit ist top! Also habe ich es einfach gemacht.

Deshalb wäre mein Tipp an andere Frauen: Traut euch. Bildet euch regelmäßig weiter, investiert in euer Wissen und eure Fähigkeiten – das mache ich bis heute selbst ständig – und unterschätzt eure eigene Expertise nicht.

Letztes Jahr hast Du Deine Agentur gegründet: EINHORN | Business Management & Brand Empowerment UG. Was hat Dich zu diesem Schritt bewegt? Und wie führst Du Deine bisherige Arbeit in Verbindung mit der Agentur weiter?

A Schroth

Der Hintergrund war eigentlich ganz pragmatisch: Ich arbeite als Strategin/Beraterin heute viel stärker beratend und analytisch als rein operativ. Das heißt, ich entwickle gemeinsam mit Kund:innen Positionierungen, analysiere Zielgruppen und leite daraus Kommunikationsstrategien ab – zum Beispiel mit Hilfe der SINUS-Milieus, Archetypen-Modellen oder datenbasierten Analysen zum Mediennutzungsverhalten. Daraus entstehen dann Fragen wie: Welche Botschaften passen wirklich zur Marke? Welche Menschen wollen wir erreichen? Und auf welchen Kanälen gelingt das sinnvoll?

In der Praxis war es dann aber oft so, dass Kund:innen nach der strategischen Arbeit gerne weiter mit mir zusammenarbeiten wollten – einfach, weil Vertrauen entstanden war und die Zusammenarbeit gut funktioniert hat. Wenn ich sie anschließend an andere Dienstleister weiterverwiesen habe, fühlte sich das für viele wie ein Bruch an.

Daraus entstand schließlich die Idee für EINHORN: eine Agentur beziehungsweise ein Netzwerk aufzubauen, das Strategie und Umsetzung sinnvoll verbindet. Neben der strategischen Markenentwicklung können wir Kund:innen dadurch bei Bedarf auch operativ begleiten – zum Beispiel bei Webseiten, Content-Erstellung, Social Media oder der Gestaltung von Printmaterialien.

Der Name Deines Unternehmens lässt kurz Schmunzeln. Auf LinkedIn stellst Du Dich selbst als „Founder & Chief Executive Einhorn“ vor. Weshalb hast Du EINHORN als Namen gewählt?

Kennst du My Little Pony? :D Tatsächlich steckt da vielleicht sogar ein bisschen „Mädchen-Mama-Energie“ mit drin. Gleichzeitig hat das Einhorn für mich aber auch einen gewissen Symbolcharakter: Es steht für Vorstellungskraft, Mut, Individualität und dafür, seinen eigenen Weg zu gehen – selbst dann, wenn er nicht komplett dem Erwartbaren entspricht.

Und natürlich spielt auch mein Humor eine Rolle. Ich mag Marken, die Persönlichkeit haben und nicht völlig austauschbar wirken.

Im Marketing- und Start-up-Kontext gibt es außerdem den Begriff des „Unicorns“. Damit sind besonders erfolgreiche, seltene oder außergewöhnliche Unternehmen gemeint, die sich stark vom Markt abheben. Ich fand die Verbindung daraus eigentlich ziemlich passend: ein kleines Augenzwinkern, kombiniert mit Haltung, Kreativität und dem Wunsch, Dinge etwas anders zu denken.

Ich mag Marken, die Persönlichkeit haben und nicht völlig austauschbar wirken.

Annakatarina Schroth

Parallel zur Unternehmensgründung hast Du einen Coworking Space in Gera eröffnet. Im Kulturhaus Häselburg habt Ihr Euren Unternehmenssitz und man kann sich in der „häselWORK“ zum Arbeiten treffen, Räume mieten und sich auf ein Kulturcafé freuen. Gehörte dieser Space von Beginn an zu Deiner Idee für die Agentur? Oder wie kam es zu Deinem Angebot in dieser Location?

Ja, der Space war tatsächlich von Beginn an Teil der Idee hinter EINHORN. Inspiriert hat mich dabei unter anderem das Krämerloft in meiner Heimatstadt Erfurt – ein Ort, den ich immer sehr mochte. Gleichzeitig hatte ich den Wunsch, auch in Gera einen Raum mitzugestalten, der kreativer, lockerer und familienfreundlicher ist. Einen Ort, an dem gearbeitet werden kann, aber an dem es auch okay ist, wenn mal Kinder mit dabei sind oder Menschen einfach zusammenkommen.

Ein riesiges Coworking-Konzept schwebte mir dabei nie vor. Als ich dann allerdings die noch rohen Baustellenräume in der Häselburg gesehen habe – direkt an einer Spielstraße, mit schönen Terrassen und viel Entwicklungspotenzial – dachte ich sofort: „Okay, hier könnte etwas entstehen.“

Die Räume standen lange leer und gleichzeitig entwickelte sich die Häselburg mit ihren Mieter:innen und Akteur:innen immer weiter. Zwischenzeitlich stand sogar die Frage im Raum, ob ich dort selbst ein Café betreiben möchte, weil ich durch frühere Projekte und Kund:innen aus der Gastronomie – etwa aus dem Bio-Seehotel Zeulenroda oder dem NILO’S Café – bereits Erfahrung in diesem Bereich hatte. Aber dafür habe ich ehrlich gesagt zu viel Respekt vor Gastro. Ich habe lieber Gastronom:innen als Kund:innen. :)

Also habe ich mich entschieden, meine Fläche unter dem Namen häselWORK zu teilen – auch aus ganz pragmatischen Gründen. Gerade wenn man eine Agentur parallel zur freiberuflichen Tätigkeit organisch und ohne Fördermittel aufbaut, muss man wirtschaftlich denken. Ein Shared Space war deshalb von Anfang an auch eine Möglichkeit, Fixkosten sinnvoll zu teilen und gleichzeitig einen Ort für Begegnung zu schaffen.

Mittlerweile ist häselWORK außerdem offiziell bei der Thüringer Aufbaubank gelistet – mit Freigabe durch das Wirtschaftsministerium. Das bedeutet, dass Gründer:innen beispielsweise über den Existenzgründerpass ihre Schreibtischmiete fördern lassen können. Darüber freue ich mich besonders, weil dadurch auch Menschen Zugang zu einem professionellen Arbeitsumfeld bekommen, die vielleicht noch ganz am Anfang stehen.

Und tatsächlich sind daraus schon richtig schöne Dinge entstanden: Kooperationen, gemeinsame Projekte und neue Verbindungen zwischen Menschen.

Die Café-Idee war damit aber trotzdem nicht vom Tisch. Ich meinte damals zur Häselburg-Inhaberin Dr. Claudia Tittel: „Wenn hier unten erst einmal Leben reinkommt, wird irgendwann die richtige Person auftauchen, die Tür an Tür ein Café eröffnet.“ Genau so kam es dann auch. Im Laufe dieses Jahres eröffnet mit dem SOUL:HAUS Gera’s erstes vollständig veganes Café – direkt neben meinen Räumlichkeiten.

Dadurch entsteht gerade etwas, das ich sehr mag: ein Ort, an dem Arbeiten, Essen, Kultur, Begegnung und Veranstaltungen zusammenkommen. In der Häselburg gibt es außerdem eine Kunstschule, die Galerie Mieze Südlich mit regelmäßigen Ausstellungen, Veranstaltungsräume für Konzerte und Comedy sowie die Künstlerzimmer zum Übernachten. Für mich hat das ein bisschen etwas von dem, was ich damals schon im Bio-Seehotel geschätzt habe: ein Ort, an dem unterschiedliche Dinge zusammenkommen und Menschen gemeinsam Zeit verbringen können. Eigentlich perfekte Voraussetzungen für kreative Offsites und Workshops.

Von Marketing über Politik bis hin zu Nachhaltigkeit – du bist ein vielseitig interessierter Mensch mit viel Energie und Inspiration. Gibt es Projekte oder Themen, die Du in Zukunft noch angehen willst? Vielleicht suchst Du auch nach Kooperationspartner:innen?

Ich bin eigentlich immer offen für spannende Kooperationen und Netzwerkpartner:innen – besonders in den Bereichen nachhaltiges Unternehmertum, Kommunikation, Medien, Bildung, Green & Clean Tech, gesellschaftlicher Wandel oder kreative Projekte.

Besonders gern begleite ich Menschen und Unternehmen, die nicht mit perfekten Voraussetzungen starten, sondern sich vieles selbst aufbauen müssen. Vielleicht, weil ich selbst erlebt habe, wie wichtig Zugänge, Netzwerke und gegenseitige Unterstützung sein können.

Mich interessieren vor allem Projekte mit echtem gesellschaftlichem Mehrwert – also Impact Brands, nachhaltige Ideen, Gleichstellung, Empowerment und alles, was Wirtschaft ein bisschen menschlicher macht.

Und ansonsten bin ich ehrlich: Ich glaube, viele der schönsten Projekte entstehen ohnehin unterwegs. :)

Und ein Rückblick auf fast 15 Jahre Selbstständigkeit: Was möchtest Du Frauen mit auf den Weg geben, die gerade starten?

Wenn du kurz vorm Weinen bist: durchziehen. :D Wirklich. Schreien, fluchen, kurz alles verwerfen – gehört manchmal einfach dazu. Aber genau in diesen Momenten entstehen oft die neuen Wege, die uns wachsen lassen.

Und bitte: Stellt euer Licht nicht unter den Scheffel. Gerade Frauen unterschätzen sich unglaublich oft selbst. Wenn also mal wieder das Imposter-Syndrom reinkickt – schreibt mir. Ich sage euch dann gern, wie gut ihr wahrscheinlich längst seid. :)

Herzlichen Dank für das Interview!

Externer Link

Sie verlassen unsere Website. Wir können nicht für den Inhalt externer Websites verantwortlich gemacht werden.

Bestätigen